Die Firma Moderna testet bereits seit Ende Juli einen Impfstoffkandidaten. Foto: dpa/Ted Warren

Seit mehr als einem halben Jahr steht die Welt Kopf. Wegen des neuartigen Coronavirus müssen wir alle unser Leben einschränken – die einen mehr, die anderen weniger. Seit das öffentliche Leben heruntergefahren wurde, wird auch stets die Frage gestellt: Wann ist das endlich vorbei? Während einige wenige das Virus auf der Suche nach Normalität schlicht zu einer großen Verschwörung erklären, wartet die überwältigende Mehrheit auf einen Impfstoff – und den könnte es nun doch schon etwas früher geben als lange kolportiert. 

Wenn eine Institution in Deutschland als Euphorie-Bremser bekannt ist, dann das Robert-Koch-Institut (RKI), doch selbst bei den obersten Mahnern in der Corona-Pandemie wird nun davon ausgegangen, dass bis Anfang 2021 „ein oder mehrere Covid-19-Impfstoff(e) in der Europäischen Union zugelassen sein werden“ – und erste Produktionschargen verteilt werden könnten.

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Die besten Karten hat aktuell ein Impfstoff-Kandidat der Firma Moderna. Seit Ende Juli testet das amerikanische Biotechunternehmen ihr Präparat in einer Phase-III-Studie an 30.000 Freiwilligen in den USA. Die ersten Zwischenergebnisse lassen hoffen, denn auch bei älteren Menschen ruft er die gewünschte Immunantwort hervor, teilt das Unternehmen mit. Zudem gebe es keine schweren Nebenwirkungen.

In Deutschland ist das Mainzer Unternehmen Biontech ganz vorne bei der Impfstoff-Entwicklung dabei. Foto: Imago-Images/Thorsten Wagner

Weitere aussichtsreiche Kandidaten sind die Präparate des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca und des Mainzer Biopharma-Unternehmens Biontech, die gerade in Brasilien Phase-III-Studien durchführen. Biontech will sogar noch dieses Jahr 100 Millionen Impfdosen produzieren. Im Herbst startet zudem das Tübinger Unternehmen Curevac in die finale Testphase. Und auch Hamburger Forscher um die renommierte Infektiologin Marylyn Addo beginnen bald mit ersten Tests. Addo hatte schon 2014 im größten Ebola-Ausbruch der Geschichte einen erfolgreichen Impfstoff entwickelt.

Nasensprays gegen Corona

Einen anderen Ansatz, ganz ohne Spritzen, verfolgt ein Team um Professor Ulrich Lauer vom Universitätsklinikum Tübingen. Sie setzen auf die Entwicklung eines Nasensprays, die den Impfstoff auf dem gleichen Wege in den Körper bringen will, wie es Viren tun: in kleinen Wassertröpfchen. Nur sieben von 160 Impfstoff-Kandidaten weltweit verfolgen laut WHO diesen Ansatz. Vorteil dieser Methode: Das Virus kann sich so nicht in Mund und Nase ausbreiten. „Obwohl Menschen geimpft werden, können sich Viren manchmal an einigen Stellen im Körper weiter ausbreiten. Der Geimpfte ist dann weiter ansteckend“, sagte  Lauer dem SWR.

In Tübingen wird ein Impfstoff-Kandidat entwickelt, der als Nasenspray daherkommen soll. Foto: Imago-Images/Florian Gärtner

Zeitnah werde dieser Impfstoff jedoch nicht zur Verfügung stehen, sagte Lauer. Er geht von einer Zulassung in etwa vier Jahren aus. Doch er ist froh, dass andere Kandidaten schon weiter sind. „Wir brauchen so schnell wie möglich einen ersten Impfstoff. In der weiteren Entwicklung geht es darum, einen besten Impfstoff zu haben.“

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Weitere Hoffnungen ruhen derweil auf einem Präparat, das auch über die Nase wirken soll, aber eher Medikament als Impfstoff ist. Wissenschaftler aus San Francisco um den aus Berlin stammenden Biochemiker Peter Walter testen ein Mittel, dass 24 Stunden lang für einen Schutz vor Covid-19 sorgen soll. AeroNabs tauften die Wissenschaftler das Präparat, das aus künstlichen Proteinmolekülen besteht. Die Moleküle sollen sich auf die Oberfläche des Coronavirus setzen und es unbrauchbar machen. Erste klinische Tests stehen an. Walter geht davon aus, dass es schon in wenigen Monaten auf den Markt kommen könnte.