Pflegekräfte werden in manchen Ländern von Familien und von der Gesellschaft ausgeschlossen, weil sie Covid-19-Patienten betreuen. Foto: Victoria Jones / POOL / AFP

Als Helden der Corona-Krise bekommen Ärzte, Pfleger und Sanitäter weltweit tosenden Applaus – doch die Dankbarkeit für ihre Arbeit in vielen Ländern ist nur eine Seite der Medaille. Denn Gesundheitspersonal und Einrichtungen werden immer öfter Ziel von Angriffen und Gewalt, beklagt Peter Maurer, Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Seit März verzeichnete das Komitee 208 Angriffe in 13 Ländern.

Hilfseinrichtungen in Afrika in Brand gesteckt

„Leider ist die traurige Realität, dass Gesundheitspersonal seit langem vielen schockierenden Formen von Gewalt ausgesetzt ist“, heißt es in einer Erklärung des IKRK, das weltweit in Regionen hilft, in denen durch Krieg und Not die Gesundheitssysteme am Boden liegen. 208 Fälle von Gewalt mussten Rotkreuz-Helfer unter anderem in Syrien und Irak, Afghanistan, Venezuela und in Konfliktregionen Afrikas seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie dokumentieren.

Peter Maurer, Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK).
Foto: Imago Images/ZUMA Wire

Viele Krankenschwestern und Pfleger würden von Familie und Gesellschaft ausgeschlossen, weil sie Covid-19-Patienten betreuen, heißt es in der Erklärung. Doch es gebe auch Fälle von Drohungen, körperlicher Attacken bis zum Totschlag von Mitarbeitern in Pflegeberufen. „Wir haben in Afrika gesehen, dass wirklich Einrichtungen in Brand gesetzt wurden, zerstört wurden und das gehört genau gleich zum Spektrum“, so Peter Maurer zur ARD. Vermutlich liegt die tatsächliche Zahl der Attacken noch höher. „Die Gesundheitssysteme werden zu einem Zeitpunkt angegriffen, an dem sie am dringendsten gebraucht werden“, mahnte Maurer. „Die Covid-19-Krise droht schnell zu einer Schutzkrise zu werden.“

Gemeinsam mit anderen weltweit tätigen Hilfsorganisationen fordert das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in seiner Erklärung „Regierungen, Gemeinden und Waffenträger nachdrücklich auf, die Gesundheitsversorgung jederzeit zu respektieren und zu schützen und zur Schaffung eines Schutzumfelds beizutragen, in dem die Gesundheitsversorgung sicher erbracht werden kann.“