Die wegen fünffachen versuchten Mordes beschuldigte Frau sitzt vor Beginn der Verhandlung neben ihrer Anwältin Birgit Schwerdt (re.) im Gerichtssaal. dpa/Sven Hoppe

Zwei Kinder brechen 2018 zusammen, nachdem sie bei einer Ausstellungseröffnung in München Apfelschorle getrunken haben. Zwei Jahre später geht es drei Menschen genau so, die in Supermärkten Spezi gekauft und getrunken haben. Seit Dienstag steht nun die Frau vor Gericht, die nach Ansicht der Staatsanwaltschaft dafür verantwortlich sein soll.

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Das Motiv der 57-Jährigen ist unklar

Der 57-jährigen Deutschen wird vorgeworfen, Getränke wahllos mit Gamma-Butyrolacton (GBL), sogenanntem Liquid Ecstasy – auch als K.-o.-Tropfen bekannt – versetzt zu haben. Und zwar in einer so hohen Dosis, dass diejenigen, die davon tranken, hätten sterben können. Das GBL bestellte sie laut Ermittlern im Internet. Das Motiv: unklar.

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„Die Stimme hat zu mir gesagt: Ich kann dich auch zum Mörder machen“, sagt die Beschuldigte vor Gericht, als sie davon berichtet, wie es für sie ist, regelmäßig diese eine, unangenehme, aufdringliche Stimme zu hören. „Die Stimme ist schadenfroh.“ Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, sie habe sich vorgenommen, „heimlich Getränke anderer Personen zu versetzen und die ahnungslosen Konsumenten dieser Getränke dadurch zu vergiften“.

Leidet die Angeklagte unter Schizophrenie und ist damit schuldunfähig?

Sie geht aber davon aus, dass die Frau an einer Schizophrenie leidet und schuldunfähig ist. Ihr droht damit voraussichtlich keine Haftstrafe, sondern die weitere Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie. In ihrem Prozess will sie sich zu den Vorwürfen gegen sie nicht weiter äußern. Sie werde „keine Angaben zur Sache“ machen, sagt ihre Anwältin Birgit Schwerdt vor dem Landgericht München I.

Die Beschuldigte berichtet daraufhin von ihrer Schulzeit, ihrem Psychologiestudium und verschiedenen Auslandsaufenthalten – und davon, dass ihre Eltern kaum mit ihr gesprochen hätten, dass sie wegen psychischer Probleme in Behandlung gewesen sei und nach dem Tod ihres Bruders begonnen habe, zu viel Alkohol zu trinken. Sie berichtet auch von ihrer Krebserkrankung.

Der Fall hatte 2020 für Angst und Aufsehen gesorgt. Drei Kunden hatten die vergifteten Flaschen gekauft und daraus getrunken. Zwei Frauen im Alter von damals 34 und 42 Jahren mussten laut Polizei sofort medizinisch behandelt werden. Auch einem 48-Jährigen soll es nach dem Verzehr schlecht gegangen sein. Zwei weitere vergiftete Flaschen wurden verkauft – allerdings ist bislang unklar, an wen. 

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Polizei kam der Angeklagten damals schnell auf die Schliche

Die Polizei warnte die Bevölkerung – und fasste nach einigen Wochen die Tatverdächtige. Die Ermittler waren ihr auf die Schliche gekommen, weil sie mit einer EC-Karte gezahlt und so ihre Daten hinterlassen hatte. An den manipulierten Flaschen fand sich dann auch ihre DNA.

Nach ihrer Festnahme kam dann heraus, dass sie auch noch für zwei andere Fälle verantwortlich sein könnte: 2018 soll sie bei einer Ausstellungseröffnung im Münchner Gasteig Apfelschorle vergiftet haben. Zwei damals sieben und zehn Jahre alte Kinder wurden bewusstlos, nachdem sie davon getrunken hatten.

Für den Prozess hat das Landgericht München I 14 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte demnach am 10. Dezember fallen.