Eine Besucherin im Deutschen Hygiene-Museum Dresden.  imago/epd

Ranzige Butter an der Wand als Kunst zu erkennen – gar nicht so einfach. Siehe Joseph Beuys’ Fettecke, die ein Hausmeister kurzerhand entfernte. Auch ein Kalkfleck in einer Gummiwanne kann Teil eines Werkes sein. Aber wenn dafür das Bewusstsein fehlt, ist es einfach nur: ein Fleck. Der weg muss. So geschehen vor zehn Jahren in einem Museum in Dortmund – bei einer Installation des Künstlers Martin Kippenberger.

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Moderne Kunst ist schwerer zu restaurieren als Gemälde

Und was dann? Während es für Gemälde inzwischen ausgefeilte Techniken gibt, um sie zu restaurieren, sei das bei moderner Kunst „eine ganz andere Nummer“, so die Dresdner Diplom-Restauratorin. Wenn der Künstler oder die Künstlerin noch lebe, könne man besprechen, wie es mit dem Werk weitergehen solle. „Bei vielen Installationen ist die Vergänglichkeit mit angelegt“, sagt Schmidt. Das bewusste Entfernen eines Teils des Kunstwerkes sei jedoch etwas grundsätzlich anderes. „Das sind zwei Dinge, die man klar voneinander trennen muss.“

Das Kunstwerk Kippenbergers, das von einer Putzfrau zerstört wurde. dpa

Im Dortmunder Museum, das Kippenbergers Installation damals als Dauerleihgabe ausstellte, erinnere sich niemand gern an den Vorfall, so eine Sprecherin. Was für Außenstehende einen gewissen Unterhaltungswert habe, sei tragisch für alle, deren Arbeit es sei, Kunst für möglichst breite Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen.

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Junge verursachte durch einen Stolperer einen Riss in einem Gemälde aus dem 17. Jahrhundert

Einigermaßen tragisch fanden auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Museums in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh das Missgeschick eines Jungen: Er stolperte und stützte sich mit der Hand in einem Gemälde aus dem 17. Jahrhundert ab. Dessen geschätzter Wert: 1,5 Millionen Euro – zumindest vor der Beschädigung. Die Aktion, die man sich im Netz als Video anschauen kann, hinterließ einen deutlichen Riss.

Quelle: YouTube

Mit genügend Zeit und Geld könnte man heute fast alles so restaurieren, dass man auf den ersten Blick nicht sehe, dass es einen Schaden gab, erklärt Schmidt. Es sei allerdings undenkbar, nicht zu dokumentieren, was an einem Werk nachträglich gemacht worden sei. Als Restauratorin sollte man nur reversible Materialien verwenden, die man also wieder entfernen kann, erklärt die Expertin einen Grundsatz ihrer Arbeit.

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Rentnerin füllte ein Kreuzworträtsel in einer Collage des Künstlers Arthur Köpcke aus 

Entfernen konnte man glücklicherweise auch den Kreuzworträtsel-Eintrag einer Museumsbesucherin in Nürnberg wieder. Eine Collage des Künstlers Arthur Köpcke mit der Anmerkung „Insert words so it suits“ animierte die Seniorin dazu, mithilfe eines Kugelschreibers genau das zu tun. Wenig überraschend war das Museum wenig amüsiert. Letztlich konnte der Eintrag mit Lösungsmittel beseitigt werden.

Das Reading/Work-Piece (1965) des Künstlers Arthur Köpcke. Neues Museum (Anette Kradisch)

Rentnerin „restaurierte“ ein beschädigtes Jesus-Fresko aus dem 19. Jahrhundert

Ein wenig übereifrig war auch die Seniorin, die im spanischen Borja bei einem beschädigten Jesus-Fresko aus dem 19. Jahrhundert kurzerhand selbst den Pinsel anlegte. Seitdem ist die Wandmalerei nicht wiederzuerkennen und kommt ein wenig wie naive Kunst daher. Die Aktion erregte allerdings weltweit so viel Aufmerksamkeit, dass jede Menge Touristinnen und Touristen wegen der umgestalteten Malerei in die Kleinstadt kamen.

Das „verschönerte“ Jesus-Fresko im spanischen Borja.  imago/ZUMA Wire

Aber zurück zur modernen Kunst, die nicht als solche erkannt wird. Ein Plastiksack mit Zeitungen und Pappe vor einem abstrakten Gemälde? Weg damit, dachte eine Putzfrau in London. Der Sack konnte zwar gerettet werden. Doch der deutsche Künstler des Werks, Gustav Metzger, erklärte, dieser sei zu sehr beschädigt – und erstellte einen Ersatz.

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Apropos Ersatz: Der als Ironiker bekannte Kippenberger hätte den weggewischten Kalkfleck an seiner Installation wahrscheinlich mit Humor genommen, hätte er noch gelebt. In einem WDR-Beitrag ergänzte Kunstsammler Wilhelm Schürmann: Kippenberger hätte wohl nicht nur gelacht. „Es kann auch sein, dass er einfach eine neue Schale genommen hätte.“