9. Juni: Angehörige und Freunde trauern am Sarg von George Floyd Foto: Godofredo A. Vasquez/imago images

Die Verhaftung von George Floyd wurde von den Bodycams der Polizeibeamten gefilmt. Die New York Times veröffentlicht jetzt die Transskripte der Aufnahmen von dem Einsatz, der mit dem Tod des Afroamerikaners endetet und zum Auslöser für landesweite Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus wurde. Demnach sagte Floyd mehr als 20 Mal „I can't breathe“ – ich kann nicht atmen. In den Abschriften zeigt sich unter anderem, wie Floyd die Beamten immer wieder anbettelte, von ihm abzulassen.

Eine Zeugin hielt die Minuten des Todeskampfes von George Floyd fest, der unter dem Knie eines Polizisten zu Tode kam.
Foto: Darnella Frazier/Facebook/AFP

Der unbewaffnete Floyd war am 25. Mai in der Stadt Minneapolis im Bundesstaat Minnesota bei einer brutalen Festnahme verhaftet worden. Die Polizeibeamten hatten ihn wegen des Verdachts, Zigaretten mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen. Sie drückten ihn auf der Straße zu Boden. Ein weißer Beamter drückte sein Knie fast neun Minuten lang in Floyds Hals. Floyd verlor schließlich das Bewusstsein und starb an Ort und Stelle, wie die Autopsie ergab.

Der Polizist Thomas Lane hat die Aufnahmen bei einem Gericht in Minneapolis eingereicht, offenbar um zu erreichen, dass die Anklage gegen ihn fallen gelassen wird. Der Polizist, der im Fokus der Ermittlungen steht, ist allerdings sein Kollege Derek Chauvin. Er war es, der sein Knie auf den Hals des am Boden liegenden Floyd drückte und ihm die Luft abschnitt. Der rief immer wieder: „Ich kann nicht atmen, ich kann nicht atmen. Ah! Ich werde wohl auf diese Weise sterben.“

Floyd hatte von Anfang an große Angst

Die Mitschriften zeigen weiter, dass Floyd von Anfang an große Angst hatte. Er flehte einen der Polizisten schon vor der körperlichen Auseinandersetzung an, ihn bitte nicht zu erschießen. Im weiteren Verlauf wird immer wieder deutlich, dass Floyd und die Polizisten Probleme haben, miteinander zu kommunizieren. Immer wieder sagt er, dass er unter Platzangst leide und deshalb Schwierigkeiten habe, in das Polizeiauto einzusteigen. Die Situation eskaliert.

Floyd ruft mehrmals: „Sie bringen mich um.“ Und an einem Punkt wörtlich: „Momma, ich liebe dich. Sag meinen Kindern, ich liebe sie. Ich bin tot.“ Der Polizist Derek Chauvin entgegnete laut Transkript: „Dann hör auf zu reden, hör auf, zu schreien, Reden verbraucht verdammt viel Sauerstoff.“ Chauvin wird laut der New York Times nicht nur dadurch belastet, dass Floyd keinen Widerstand geleistet habe. Sein Kollege Thomas Lane schlug vor, Floyd lieber auf die Seite zu legen, statt ihm das Knie in den Nacken zu drücken. Chauvin jedoch entgegnete: „Nein, er bleibt, wo wir ihn haben.“

Der New York Times liegt ebenfalls ein Anrufprotokoll vor, das zeigt, warum der Einsatz überhaupt zustande kam. Demnach waren die Polizisten zu einem Geschäft wegen des gefälschten 20-Dollar-Scheins gerufen worden. Floyd sei sehr betrunken und „außer Kontrolle“ gewesen, sagte einer der Verkäufer laut dem Protokoll. Es zeigt auch, dass ein herbeigerufener Krankenwagen zunächst an die falsche Stelle fuhr. So konnte dem um Atem ringenden Floyd möglicherweise zu spät geholfen werden.

Chauvin, der als Polizist 19 Jahre im Einsatz war, wurde wegen Mordes zweiten Grades angeklagt, ihm drohen bis zu 40 Jahren Gefängnis. Den übrigen Polizisten wird Beihilfe vorgeworfen, auch ihnen drohen lange Haftstrafen. Alle vier an dem Einsatz beteiligten Beamten wurden aus dem Polizeidienst entlassen. Der Prozess gegen sie soll allerdings erst am 8. März kommenden Jahres beginnen. Zuvor wird es am 11. September noch eine Anhörung zu Verfahrensfragen geben. (mit dpa)