Eine Szene aus der RRB-Dokumentation „Genossen. Brüder. Killing Fields“: 1969 war das damalige Königreich Kambodscha das dritte Land außerhalb des Ostblocks, das die DDR anerkannte. Foto: rbb/Hans Sparschuh/Heimatfilm

Selten sah man die Reporter des DDR-Fernsehens so tief erschüttert wie in diesen Reportagen aus Kambodscha im Jahr 1979. Bei der ersten Fahrt durch Phnom Penh nach dem Einzug der vietnamesischen Armee erlebten sie eine todgeweihte Stadt. Genauso unfassbar waren die Entdeckungen von Massengräbern ermordeter Mönche wenige Monate später. Nur vier Jahre zuvor waren die Verantwortlichen für diese Gräueltaten im SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ noch als Verbündete im anti-imperialistischen Kampf gefeiert worden: 1975 hatten die Roten Khmer ein von der USA eingesetztes Militärregime gestürzt und eine Bauernrevolution ausgerufen.

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Der Film von Hans Sparschuh und Rainer Burmeister kann sich nicht nur auf beredte historische Aufnahmen stützen, sondern auf besondere Interviewpartner, deren Leben von den wechselvollen Beziehungen zwischen der DDR und Kambodscha geprägt wurden. Nachdem das Nachbarland Vietnams Ende der 60er-Jahre mit dem Westen gebrochen und mit der DDR diplomatische Beziehungen aufgenommen hatte, gab es einen Austausch in beide Richtungen. Klaus Behling gehörte zu den ersten Studenten der Südost-Wissenschaften, lernte die schwierige Khmer-Sprache und war in den 70er-Jahren als junger Diplomat vor Ort.

Umgekehrt kamen junge Kader aus Kambodscha in die DDR, wie Sonny Thet, dessen Vater Hofmusiker beim regierenden Prinz Sihanouk war und der in Weimar Musik studieren durfte. Mit der Gruppe Bayon erfand er eine ganz eigene Weltmusik, als Cellist ist er international anerkannt. Sam Ul Kong wiederum wurde als Kind von Pol Pot unterrichtet, den er als guten Geografielehrer erlebte. Dass derselbe Mann viele seiner als friedlich bekannten, buddhistisch geprägten Landsleute zu mörderischen Monstern machen konnte, kann er bis heute nicht verstehen. Das Studium in der DDR rettete ihnen das Leben: Die meisten Angehörigen in der Heimat starben. Etwa ein Viertel bis ein Drittel aller Kambodschaner verhungerten oder wurden ermordet.

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Die Dokumentation beschränkt sich aber nicht nur auf das Verhältnis der DDR zu Kambodscha, das ja nur ein kleiner Ausschnitt des globalen Kampfes der Systeme war. Der Hamburger Historiker Wolfgang Kraushaar weist darauf hin, dass auch die Linken im Westen große Probleme damit hatten, den raschen Wandel einer Befreiungsbewegung zum Terrorregime zu erklären. Und dass die westlichen Regierungen die Pol-Pot-Clique noch zehn Jahre nach Entdeckung der Gräueltaten international anerkannten – nur um die von Vietnam eingesetzte Führung zu blockieren – ist heute schwer nachvollziehbar. Der Film gibt einen positiven Ausblick: Das Land ist dank der Hilfe aus China im Aufschwung, viele Verbindungen zwischen Kambodscha und Ostdeutschland sind bis heute intakt – und die Folterkeller längst Attraktionen für Touristen.