3D-Aufnahme einer mumifizierten Katze. Foto: Swansea University

Im antiken Ägypten wurden nicht nur menschliche Mumien, sondern auch etliche von Tieren geschaffen. Eine Katze, einen Vogel und eine Schlange haben Forscher nun mit einem speziellen 3D-Röntgenmikroskop untersucht – und ziehen Rückschlüsse auf das Leben und Sterben der Tiere, die Mumifizierung und die Lagerung in den gut zwei Jahrtausenden danach. Ein besseres Verständnis über Tiermumien erweitere das Wissen um Mensch-Tier-Beziehungen und religiöse Riten jener Zeit. Auch für den Artenschutz wichtige Erkenntnisse seien möglich, erläutern die Forscher um Richard Johnston von der britischen Swansea University im Fachmagazin „Scientific Reports“.

Im Ägypten der Pharaonenzeit wurden unzählige Tiere mumifiziert, Katzen und Hunde zählen ebenso dazu wie Ibisse, Falken, Schlangen und Krokodile. Sie wurden unter anderem an der Seite ihrer Besitzer bestattet oder sollten einem Verstorbenen als Proviant dienen, auch religiöse und rituelle Gründe spielten häufig eine Rolle. Zeitweise wurden zig Millionen Tiere als Opfergabe mumifiziert – zum Beispiel Massen an Heiligen Ibissen, deren Mumien sich über Kilometer hinweg in Katakomben gestapelt finden. Auch Tempelbesucher hätten einst wohl Tiermumien gestiftet, um Gottheiten milde zu stimmen, erläutern die Forscher.

3D-Bild einer mumifizierten Schlange. Foto: Swansea University

Lange war eine Untersuchung der Mumien nur möglich, wenn diese beschädigt oder gar zerstört wurden. Später kamen nichtinvasive Methoden hinzu. Die 3D-Röntgen-Mikrotomographie ermöglicht nun zerstörungsfreie, dreidimensionale Strukturanalysen im Mikrometerbereich. 

Rückschlüsse auf das Vorgehen beim Mumifizieren

Die bei der aktuellen Untersuchung gewonnenen Detailkenntnisse erlauben Rückschlüsse auf das komplexe Vorgehen beim Mumifizieren sowie darauf, wie die Tiere einst gehalten wurden und wie sie starben. Das Skelett der Katze ist demnach etwa halb so groß wie die Mumie insgesamt. Es handle sich vermutlich um ein Exemplar der Haustierform der Falbkatze, das noch keine fünf Monate alt war und dem zielgerichtet das Genick gebrochen wurde – entweder, um es zu töten oder während des Mumifizierungsprozesses.

Der mumifizierte Vogel ähnele am ehesten einem Turmfalken. Foto: Swansea University

Der mumifizierte Vogel ähnele am ehesten einem Turmfalken und scheine nicht an einer Genickverletzung gestorben zu sein. Der straff aufgewickelte Schlangenkörper könne einer jungen Ägyptischen Kobra gehört haben, der womöglich das Rückgrat gebrochen wurde, um sie zu töten. Dies passe zur häufig verwendeten Tötungsart im alten Ägypten: Schlangen seien dort oft am Schwanz gepackt, herumgewirbelt und gegen etwas Hartes geschlagen worden. Offenbar habe die Schlange zudem einen Nierenschaden aufgrund von Wassermangel gehabt.

Aus welcher Region und welcher Zeit genau die drei untersuchten Tiere stammen, ist unklar, da sie aus alten, später dem Egypt Centre der Universität Swansea überantworteten Beständen stammen, bei denen solche Daten oft noch nicht erfasst wurden. (dpa/fwt)