Bei einigen französischen Schülern kommt kein Fleisch mehr auf den Teller. Foto: dpa/Franziska Kraufmann

In Frankreich geht es um die Wurst: Um Veggie-Menüs ist ein erbitterter Streit entbrannt, seit die grün regierte Großstadt Lyon beschlossen hat, in Schulkantinen nur noch fleischlose Mahlzeiten aufzutischen. Manche fürchten bereits ein Gemüse-Diktat in der Heimat des Gastro-Papstes Paul Bocuse und der Lyoner Wurst.

Landwirtschaftsminister verurteilt den Ratsbeschluss scharf

Frankreichs Landwirtschaftsminister Julien Denormandie verurteilte den Ratsbeschluss von Lyon am Dienstag scharf: „Er ist aberwitzig aus Ernährungssicht und sozial gesehen eine Schande“, wetterte der Agrarminister beim Sender RTL. Denn weniger Wohlhabende könnten sich zu Hause kein Fleisch leisten. Innenminister Gérald Darmanin sprach von einer „Beleidigung für Bauern“ und einer „skandalösen Ideologie“ der Grünen.

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Doch in der Regierung werden auch Gegenstimmen laut: Frankreichs Umweltministerin Barbara Pompili bedauerte die aus ihrer Sicht „prähistorische Debatte“. Sie sprach von „überholten Klischees, nach denen vegetarische Ernährung unausgewogen ist“.

Das vegetarische Einheitsessen wird mit der Corona-Pandemie begründet

Die grüne Stadtverwaltung von Lyon begründet den Fleischverzicht übrigens nicht mit dem Umwelt- und Klimaschutz, sondern der Corona-Pandemie. Das vegetarische Einheitsmenü soll dazu beitragen, die Schüler schneller in den Kantinen zu verköstigen und das Infektionsrisiko zu senken. Grünen-Bürgermeister Grégory Doucet nennt dies „gesunden Menschenverstand“ - und verweist darauf, dass bereits die vorherige Stadtverwaltung zum Corona-Schutz im Frühjahr auf fleischloses Essen umgestellt hatte - ohne Proteste.