In der gesamten Wohnung in Rosario hängen Bilder von „Che“ Guevara. Foto: AFP/Marcelo Manera

Vielen Menschen in Kuba und anderen Teilen Lateinamerikas gilt er als Legende, und das obwohl er nach der erfolgreichen Revolution auf Kuba für Eilprozesse und Exekutionen vermeintlicher Gegner verantwortlich war. Dennoch ziert das Gesicht von Ernesto „Che“ Guevara noch heute Wände, Poster, T-Shirts und Taschen nahezu überall auf der Welt. Kein Wunder, dass nun der Andrang groß ist, wenn ein Käufer für die Wohnung gesucht wird, in der der charismatische Revolutionär am 14. Juni 1928 angeblich geboren wurde.

Das Apartment ist 220 Quadratmeter groß und befindet sich in einem fünfstöckigen Gebäude in der argentinischen Großstadt Rosario. Aus mehreren Ländern seien bereits Angebote eingegangen, sagte der Besitzer der Immobilie, Franciso Farrugia – ein argentinischer Unternehmer, der in Brasilien lebt. Er wollte aus der Guevara-Wohnung ein Kulturzentrum machen, doch dafür kamen die Finanzmittel nicht zusammen.

Die Wohnung ist mit Fotos von „Che “dekoriert, darunter Aufnahmen aus seinen ersten Lebensmonaten. Auch das ikonische Foto, in dem der durch den Triumph der kubanischen Revolution zur Legende gewordene Guevara eine Zigarre raucht, ist zu sehen.

Auch eine kleine Figur des Revolutionärs steht in der Geburtswohnung von „Che“ Guevara in Rosario. Foto: AFP/Marcelo Manera

Die Wohnung ist von der Stadt Rosario als historischer Ort ausgewiesen und Teil eines „Che-Rundwegs“. Allerdings ist der Zutritt zu dem Apartment der allgemeinen Öffentlichkeit nicht gestattet. Ob die künftigen Eigentümer den Charakter der Wohnung als historischer Stätte erhalten werden, ist ungewiss.

Guevara wurde durch Zufall in Rosario geboren, wie der Historiker Fabián Bazán erzählte. Seine Eltern lebten in der argentinischen Provinz Misiones und hielten sich während einer Geschäftsreise in Rosario in der Provinz Santa Fe auf. Zwar gibt es keine Dokumente, die belegen, dass Guevara in der nun zum Verkauf stehenden Wohnung zur Welt kam. Doch ist dies Konsens unter Historikern. Damals sei es üblich gewesen, dass Familien Hebammen anheuerten, um Kinder in Privatwohnungen zur Welt bringen zu lassen, sagte Bazán.

„Che“ Guevara reiste als junger Mann durch Lateinamerika, bevor er sich den kubanischen Revolutionären unter Fidel Castro anschloss. Nach dem Triumph der Revolution 1959 nahm Guevara die kubanische Staatsbürgerschaft an. Von 1959 bis 1961 war er Präsident der kubanischen Nationalbank, von 1961 bis 1965 Industrieminister. 1965 zog er erst in Afrika, später in Bolivien wieder in den Guerilla-Kampf. Doch die bolivianische Armee lockte ihn und seine Mitkämpfer in einen Hinterhalt. Guevara wurde verletzt und gefangengenommen. Am 9. Oktober 1967 wurde der 39-Jährige in der Haft von einem Unteroffizier hingerichtet.