Rauch über der Fabrik in der Stadt Visakhapatnam. Foto: AFP

Durch ein Gasleck in einer Chemiefabrik in Indien sind nach Behördenangaben mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen und hunderte weitere verletzt worden. Anwohner brachen am frühen Donnerstagmorgen bewusstlos auf den Straßen der Stadt Viskhapatnam im Osten des Landes zusammen, nachdem sie das ausgetretene Gas eingeatmet hatten. Rund tausend Menschen wurden ins Krankenhaus eingeliefert.

Das Gas war am frühen Morgen aus Tanks einer Polymerfabrik des südkoreanischen Unternehmens LG Chem am Stadtrand von Visakhapatnam ausgetreten. Das Werk war wegen der Ausgangssperren aufgrund des Coronavirus vorübergehend stillgelegt, laut Firmenangaben hielten sich jedoch Wartungarbeiter auf dem Gelände auf.

Anwohner alarmierten die Polizei, nachdem sie Gas gerochen hatten. Die Beamten mussten sich nach Angaben einer Polizeisprecherin zunächst jedoch rasch wieder zurückzuziehen, um nicht selbst Vergiftungen zu erleiden. Fernsehbilder zeigten bewegungslos auf den Straßen liegende Männer, Frauen und Kinder.

Der Andrang in den Krankenhäusern war so groß, dass sich teilweise mehrere Patienten ein Bett teilen mussten. Die "Times of India" gab die Zahl der Todesopfer mit bis zu zehn an, 5000 Menschen hätten Vergiftungserscheinungen erlitten. Die Anwohner litten unter Atemproblemen, Hautausschlag und Augenreizungen. Die Behörden riefen die Menschen auf Schutzmasken zu tragen und keine unverpackte Nahrung zu essen.

Das Unglück erinnert an eines der schwersten Industrieunglücke der Geschichte, das sich ebenfalls in Indien ereignete: Beim Austritt von giftigem Gas in der Stadt Bhopal wurden 1984 etwa 3500 Menschen getötet. Tausende weitere starben in den folgenden Jahren an gesundheitlichen Schäden, die sie bei der Katastrophe erlitten hatten. Über die Gesamtzahl der Bhopal-Opfer gibt es unterschiedliche Angaben. (AFP)