Blick über die Padre's Bay, die tief in die Robinson Crusoe-Insel einschneidet. Michael Serrallier/dpa

Das sturmgepeitschte Eiland Robinson Crusoe liegt einsam vor der Küste Chiles im Südpazifik. 1704 ausgesetzt auf der damals noch menschenleeren Insel musste der schottische Seemann Alexander Selkirk  gut vier Jahre lang auf Rettung warten. Seine Geschichte diente dem Schriftsteller Daniel Defoe als Vorlage für den weltberühmten Abenteuerroman „Robinson Crusoe“. Defoe verlegte allerdings den Schauplatz in die tropische Karibik und erfand noch die Figur des Einheimischen Freitag. 

Eine Mitarbeiterin von Sotheby's zeigt eine Erstausgabe von 1719 des Romans: „The Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe of York, Mariner“ des britischen Schriftstellers Daniel Defoe. Natasha Livingstone/AP/dpa

Die chilenische Regierung erkannte die Werbewirksamkeit des Namens und gab der 93 Quadratkilometer großen Insel den Namen des Romanhelden. Vorher hieß sie Mas a tierra (Näher zum Festland), das 670 Kilometer entfernt ist. Die Insulaner leben hauptsächlich vom Langustenfang. Mit dem unbewohnten Eiland Alejandro Selkirk, das früher Mas afuera (Weiter weg) genannt wurde, bildet das Eiland die Inselgruppe Juan Fernandez.

Die Insel Robinson Crusoe Imago Images

Vor der Robinson-Insel sank auch ein deutsches Kriegsschiff

Die ferne Insel im Pazifik spielt auch in der deutschen Marinegeschichte eine Rolle. Während des Ersten Weltkrieges hatte sich der Kreuzer „SMS Dresden“ in die Cumberlandbucht vor San Juan Bautista geflüchtet, um britischen Kriegsschiffen zu entgehen. Die entdeckten jedoch den Feind und nahmen ihn unter Beschuss - bis der Kapitän die Selbstversenkung befahl. Bei sehr gutem Wetter kann man das Wrack in 60 Meter Tiefe im klaren Wasser erkennen. Auf dem Dorffriedhof erinnert ein Grab an die drei Toten jenes 14. März 1915.

Lesen Sie auch: Italienischer Robinson Crusoe: Nach 32 Jahren: Eremit (82) soll die Insel Budelli verlassen

Lesen Sie auch: Tagelange Suchaktion: „Wunder auf See“: Fischer nach einer Woche auf dem Ozean gerettet

Durch das Erdbeben vom 27. Februar 2010 in Mittelchile wurde ein Tsunami ausgelöst, der fast alle Gebäude der Insel zerstörte und mehrere Menschenleben forderte. Die zwölfjährige Martina Maturana rettete vielen Dorfbewohnern das Leben, indem sie geistesgegenwärtig die Warnglocke läutete, als die Welle auf die Küste zuraste.

Nun hat die Insel knapp 600 Bewohner

Touristen sind rar auf der 93 Quadratkilometer großen Insel, deren Wetter nicht zu den Vorzügen gehört. Die knapp 600 Bewohner leben vom Langustenfang. Es gibt auf der Insel außerhalb des Hauptortes keine befahrbaren Straßen. „Besucher sind jederzeit in den Booten zum Mitfahren willkommen“, lädt der Fischer César ein. Er hatte mit seinem acht Meter langen Kutter schon den Transport der paar Gäste von der Bucht unterhalb der Flugpiste zur einzigen Ortschaft San Juan Bautista besorgt - eine etwa zweistündige Berg- und Talfahrt durch meterhohe Wellen. 

Die Insel Robinson Crusoe nach dem verherrenden Tsunami dpa

Die Sommermonate der südlichen Halbinsel gelten als beste Reisezeit für die Robinson-Insel. Hin- und Rückflug in kleinen Maschinen von Santiago de Chile aus kosten etwa 550 Euro, die Übernachtung mit Vollpension im Hotel „El Pangal“ schlägt mit 140 Euro pro Person zu Buche. In den wenigen einfachen Gästehäusern kommen Reisende billiger unter. Kontakt zu den Einheimischen stellt sich in den Kneipen beim Bier ein. Organisiertes Freizeitvergnügen gibt es dagegen nicht, jedoch insulare Einsamkeit und einzigartige Natur. Nahezu drei Viertel der hier wachsenden 140 Pflanzenarten kommen nur auf diesem Eiland vor, das die Weltkulturorganisation UNESCO 1977 zum Biosphärenreservat erklärte.