Im Prozess gegen die Mutter kamen die erschreckenden Details über ihren pädophilen Nachbarn ans Licht (Symbolbild). IMAGO/photothek

Was würden Sie tun, wenn Ihr Kind von einem Pädophilen missbraucht wird und es scheinbar niemanden interessiert?  Eine Fünffach-Mutter, die für den Mord an ihrem Nachbarn inhaftiert wurde, enthüllt nach dreieinhalb Jahren Gefängnis ihr Motiv: Ihr Sohn war eines seiner Opfer. Sie sagt: „Ich bin nicht stolz darauf. Aber ich bereue auch nicht, was ich getan habe. Ich war eine Mutter, die verzweifelt ihre Kinder beschützen wollte.“

Tatort: London. Alles begann 2014. Der damals 12-jährige Sohn von Sarah S. (38) bekam das Angebot, in dem Laden mitzuhelfen, in dem ihr Nachbar ehrenamtlich tätig war. Sarah dachte, es wäre eine gute Möglichkeit für ihn, sich etwas Taschengeld dazuzuverdienen. „Ich hatte keinen Grund, ihm nicht zu vertrauen“, sagt sie rückblickend gegenüber The Sun über ihren Nachbarn.

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Doch dann kamen die grausigen Taten ans Licht. Der 77-Jährige missbrauchte ihren Sohn. Sie versuchte, Hilfe zu bekommen. Aber niemand glaubte ihr. Polizei, Sozialdienste und Wohnungsbehörden hätten nicht zugehört, erklärt die verzweifelte Mutter.

Nachbar missbrauchte ihren Sohn – und er war nicht das einzige Opfer

Dann wollte sie ihn selbst zur Rede stellen. „Ich erinnere mich, dass ich ein Messer genommen habe und zu ihm gegangen bin. Ich wollte ihn überreden, sich schuldig zu bekennen, damit mein Sohn nicht aussagen muss“, sagt sie. „Er öffnete die Tür und grinste. Er war kalt. Ein anderer Mann als mein freundlicher Nachbar. Dann habe ich ihm mit dem Messer in die Brust gestochen und er hat mich gepackt. Ich habe die Kontrolle verloren. Ich konnte nicht zulassen, dass jemand anderes verletzt wurde, jemand musste die Menschen beschützen.“

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Der 12-jährige Sohn, dessen Mutter den Pädophilen erstochen hat, war nicht das einzige Opfer des 77-Jährigen (Symbolbild). IMAGO/agefotostock

Dreieinhalb Jahre saß Sarah wegen Totschlags im Gefängnis. Stolz sei sie nicht auf das, was sie getan hätte. Aber: „Ich habe getan, was jede Mutter tun würde, weil er meinem Sohn, meinem kleinen Jungen, das angetan hat. Ich hätte nie gedacht, dass ich zu so etwas fähig sein könnte. Ich bin kein schlechter Mensch, aber ich weiß, dass ich etwas Schlechtes getan habe. Ich habe das nie bestritten und wurde bestraft. Aber ich sehe mich nicht als Mörderin.“

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Besonders prekär: Niemand wusste von der abscheulichen Vergangenheit des vermeintlich netten Nachbarn. „Er hatte seinen Namen geändert, damit er weiter Kinder angreifen kann“, erklärt Sarah. Das kam beim Prozess ans Tageslicht. Der 77-jährige Nachbar hatte über drei Jahrzehnte hinweg 24 Verurteilungen wegen Sexualdelikten. Aber: Er hatte sich eine neue Identität verpasst, lebte seit dem im Familien-Viertel im Osten von London. Der Spielplatz lag vor der Haustür. Sein letztes Opfer wohnte nebenan.