Spurensicherung am Tatort Foto: Foto: AP Photo/Martin Meissner

In Solingen sind fünf tote Kinder gefunden worden. Das bestätigte die Polizei in Wuppertal am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Tatverdächtig ist die 27-jährige Mutter. Sie hatte sich nach der Tat laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen und schwer verletzt überlebt. Bei ihr sei ein weiteres Kind (11) gewesen, das wohlauf ist.

Der Tatort liegt im Solinger Stadtteil Hasseldelle. Die Leichen wurden in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus entdeckt. Die Großmutter, die im 60 Kilometer entfernten Mönchengladbach lebt, soll die Polizei kurz vor 14 Uhr informiert haben. Vor dem Haus in Solingen waren am Nachmittag zahlreiche Polizei- und Rettungswagen zu sehen. Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt.

Tim Kurzbach (2.v.l, SPD), Oberbürgermeister von Solingen spricht am Tatort mit Journalisten. 
Foto: Oliver Berg/dpa

Solingen: Die Mutter steht unter Polizeischutz

Bei den toten Kindern handele es sich um drei Mädchen im Alter von eineinhalb, zwei und drei Jahren sowie um zwei sechs und acht Jahre alte Jungen, so die Polizei. Der elfjährige Sohn, der überlebt hat, sei bei Familienangehörigen untergebracht worden. Die tatverdächtige Mutter soll mit dem Elfjährigen zum Düsseldorfer Hauptbahnhof gefahren sein, wo sie sich gegen 14 Uhr vor eine S-Bahn der Linie 1 warf. Laut einem Feuerwehrsprecher wurde die Frau zwischen zwei Gleisbetten geborgen und verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Dort steht sie unter Polizeischutz.

Zur Todesursache der fünf Kinder konnte die Polizei noch keine Angaben machen. „Wir nehmen eine Straftat an und werden die Mutter dazu befragen müssen, im Moment ist sie aber noch nicht vernehmungsfähig“, sagte Polizeisprecher Stefan Weiand. „Was wann genau warum passiert ist, wissen wir noch nicht, nur, dass es eine sehr tragische Situation ist.“ 

Polizei und Kriminaltechnik sind in dem Wohnhaus in Solingen vor Ort, in dem fünf tote Kinder gefunden wurden. Foto: dpa/Oliver Berg

Um diese zu klären waren am Donnerstag rund 40 Beamte am Tatort. Die Mordkommission ermittelt. Viele Fragen sind unbeantwortet. Neben der Todesursache der Kinder und einem möglichen Motiv für die grausamen Morde, müssen die Ermittler auch herausfinden, ob es wirklich die Mutter gewesen ist, die ihren Kindern das Leben nahm. Auch die Rolle des Vaters war am Donnerstag noch ungeklärt. Wo er steckte, war unklar.

„Das Familiendrama von Solingen erfüllt mich mit großer Trauer und im Moment bin ich mit meinen Gedanken und mit meinem Gebet bei fünf kleinen Kindern, die so furchtbar früh aus dem Leben gerissen wurden“, sagte Innenminister Reul in Düsseldorf. Die Unruhe in der kleinen Straße in Solingen hat indes wohl gerade erst begonnen. Viele Gerüchte sind dort im Umlauf. Eine Nachbarin äußerte sich gegenüber der dpa erschüttert. „Ich bin schockiert“, sagte sie. „Ich bin auch eine Mama.“

Polizisten informieren Anwohner am Tatort. 
AP Photo/Martin Meissner
In diesem Haus spielte sich das Familiendrama ab. 
Foto: AP Photo/Martin Meissner
Hilfe-Nummern

Ihre Gedanken hören nicht auf zu kreisen? Sie befinden sich in einer scheinbar ausweglosen Situation und spielen mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen? Wenn Sie sich nicht im Familien- oder Freundeskreis Hilfe suchen können oder möchten – hier finden Sie anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichen Sie rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen Sie Ihre Sorgen und Ängste teilen können. Auch ein Gespräch via Chat ist möglich. telefonseelsorge.de

Kinder- und Jugendtelefon:
Das Angebot des Vereins "Nummer gegen Kummer" richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter 11 6 111 oder 0800 – 111 0 333. Am Samstag nehmen die jungen Berater des Teams "Jugendliche beraten Jugendliche" die Gespräche an. nummergegenkummer.de.

Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Ein Teil von ihnen spricht auch türkisch. mutes.de

Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention: Eine Übersicht aller telefonischer, regionaler, Online- und Mail-Beratungsangebote in Deutschland gibt es unter suizidprophylaxe.de