Die Sängerin, Schauspielerin und Malerin Chris Doerk lacht in die Kamera. Fröhlichkeit ist eines ihrer Markenzeichen. dpa/Jens Kalaene

Sie war einst mit Frank Schöbel das Traumpaar des Ostens. Ihre fröhlichen Schlager trafen den Nerv des Publikums. Nun wird Chris Doerk 80 Jahre alt.

Chris Doerk wird – wie schon seit Jahren – auch diesmal ihren Geburtstag nicht feiern. Dass es ein runder ist, tut nichts zur Sache. „Eine Party dafür, dass ich älter werde, kommt nicht in die Tüte. Ich feiere das Leben“, erzählt die Schlagersängerin, die am 24. Februar 80 Jahre alt wird. Und dann ertönt in dem Telefongespräch mit der Deutschen Presse-Agentur wieder ihr ansteckendes Lachen, mit übersprühender Fröhlichkeit.

Seit sechs Jahrzehnten auf der Bühne

Seit 60 Jahren steht Doerk, die in Kleinmachnow bei Berlin lebt, auf der Bühne. Für ihre Fans bleibt sie immer die Chris. In den 1960-er Jahren war sie in der DDR zusammen mit ihrem damaligen Ehemann Frank Schöbel ein Star. Sie galten als Traumpaar, das mit humorvollen, frechen Schlagern den Nerv des Publikums traf und Millionen Schallplatten verkaufte. Sie sangen und tanzten in den beiden Defa-Filmen „Heißer Sommer“ (1968) und „Nicht schummeln, Liebling“ (1972). Eine Musiksendung im DDR-Fernsehen ohne die beiden wäre undenkbar gewesen. Nach der Scheidung 1974 gingen sie auch beruflich getrennte Wege. Beide blieben aber dem Schlager weiter treu.

Doerk, auch wenn es viele nicht vermuten, ist allerdings nicht auf Schlager und Gute-Laune-Songs festgelegt. „Ich kann auch anders“, sagt sie. Mit 68 gab es einen Ausflug in die Rockszene. Sie sagt: „Ich bin eine Rockerin“. Rauchig stimmt sie „Highway to hell“ von AC/DC an. Gern mag sie Songs der Band Radiohead. „Meine Stimme kann auch hart sein“, sagt die Sängerin etwas wehmütig. So etwas würde sie ganz gerne wieder machen.

Wie wird man ein Schlagerstar? „Bei mir fing alles mit dem „Heideröslein“ an, gesungen im Musikunterricht in der Schule“, erzählt die in Königsberg geborene Doerk. In der Klasse sei applaudiert worden. „Das machte mir Mut. Eigentlich war ich sehr schüchtern“, sagt sie, obwohl man das kaum glauben mag. Dann gewann Doerk bei einem Talentwettbewerb. Später sang sie vieles – die anfängliche Schüchternheit hatte sich bald gelegt. Schlager, Chansons oder Musicalmelodien waren ihr Metier.

Mit weißen Stiefel auf dem Titel

Eigentlich wollte sie Modezeichnerin werden. „Doch meine Eltern rieten wegen der langen Ausbildungsdauer ab“, erinnert sie sich. Sie wurde dann Gebrauchswerberin – und Sängerin. Ihre Bekanntheit verhalf ihr dann noch zu einem Job als Model. Damit schaffte sie es als junge Frau auf den Titel einer DDR-Modezeitung und bestritt eine Fotostrecke über mehrere Seiten: Mit heute wieder modernen Etuikleidern, weißen Lederstiefeln und dem dunklen Bubikopf, der über Jahrzehnte ihr Markenzeichen war. Heute trägt sie immer eine Baskenmütze und gern geflochtene Zöpfe.

Ob sie in der heutigen Zeit eine Chance hätte und die Teilnahme an einer Castingshow ins Auge fassen würde? „Das wäre nichts für mich. Wer gewinnt, wird heute sofort in die Tourneemaschinerie geworfen, von Null auf 100. Der Rubel muss rollen“, sagt sie. Sie würde nicht damit zurecht kommen, sich in den sozialen Medien präsentieren zu müssen, so die Sängerin. „Die gesanglichen und künstlerischen Fähigkeiten interessieren da nicht.“

Doerk meidet Computer & Co.

Doerk ist nicht bei Facebook, Instagram und Co.. „Ich kann noch nicht mal einen Computer benutzen“, sagt sie. Und man glaubt es kaum: Das Handy reicht ihr aus. Damit verschickt sie blitzschnell alte Fotos von sich, Beiträge aus ihrem Archiv oder Audio-Dateien ihrer neuesten Songs. Und sie berichtet: „Um Autogramme bittet mich kaum noch jemand. Fans wollen meist ein Selfie mit dem Handy.“

Doerk gesteht, dass sie ein wenig an Klatsch und Tratsch aus dem Kosmos der Schlagerstars und -sternchen interessiert ist. Gern blättert sie in den Illustrierten beim Arzt oder Friseur und verfolgt die Karriere von Helene Fischer. „Ich bin ein Fan von ihr. Sie ist bildhübsch, hat eine tolle Stimme und phänomenale akrobatische Fähigkeiten.“ Und lachend ergänzt sie: „Ich würde aber nicht am Seil mit dem Kopf nach unten hängend, singen können.“ Obwohl, erinnert sich die Sängerin: Einmal saß sie in einem alten Doppeldecker-Flugzeug, vor dem Piloten, nur den Himmel über sich. „Und wir haben gesungen, Volkslieder, zweistimmig.“

Das Schlager-Traumpaar der DDR, Frank Schöbel und Chris Doerk, aufgenommen zu Pfingsten im Mai 1967 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz). dpa/Manfred Uhlenhut

Ihre Hobbys heute: Sie hat das Stricken wieder für sich entdeckt und liest viel. Sohn Alexander, der in Neuseeland lebt und dessen Vater Frank Schöbel ist, hat ihr zwei Enkel beschert. Für die vier- und sechsjährigen Jungen arbeitet sie an Mützchen und Jacken. Und über ihre Liebe zum Lesen sagt sie: „Ich kaufe meist die Empfehlungen von Bestsellerlisten und bin da noch nie reingefallen.“

Nachdem sie 2021 nur einmal wegen Corona auf der Bühne stehen konnte, hofft Doerk für dieses Jahr wieder auf Auftritte. Drei Verträge seien unterschrieben, andere im Gespräch. „Wir werden sehen. Covid ist ja noch existent.“ Zum Geburtstag hat sie sich ein neues Album geschenkt mit elf Liedern, das gerade fertig geworden ist.