Eine Luftaufnahme des nun ruhenden Vulkans Cumbre Vieja in Tacande auf der Kanareninsel La Palma. AFP/Jorge Guerrero

„Der Ausbruch ist beendet“, mit dieser frohen Botschaft wandte sich Julio Pérez von der Regionalregierung der Kanaren am Samstag an die 85.000 Bewohner von La Palma. Diesen Augenblick hatten die leidgeprüften Menschen auf der zu Spanien gehörenden Insel seit dem 19. September herbeigesehnt.

An jenem Tag hatte sich die Erde im Süden der Insel um 14.10 Uhr mit einer gewaltigen Explosion geöffnet – und Lava, Rauch und Asche wurden Hunderte Meter in die Höhe geschleudert.

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Am 13. Dezember wütete der Vulkan in einer Art Abschlussvorstellung noch einmal besonders heftig, um dann am Abend plötzlich zur Ruhe zu kommen. Seither treten nur noch Gase aus, die gewaltigen explosionsartigen Entladungen, der Ausfluss von Lava und die Erschütterungen im Vulkankegel waren vorbei. „Ich zähle die Stunden, bis sie diesem Drachen die Sterbeurkunde ausstellen“, sagte der Priester Domingo Guerra kürzlich der Zeitung „El País“.

Der Vulkan zerstörte 2900 Wohnhäuser

Die Bilanz des längsten Vulkanausbruchs in der bekannten Geschichte der Insel ist verheerend. Die mehr als 1000 Grad heiße Lava wälzte sich rotglühend durch das dicht besiedelte Tal von Aridane Richtung Meer, wo sich zwei insgesamt rund 50 Hektar große Landzungen bildeten.

Die Menschen mussten hilflos mitansehen, wie fast 2900 Wohnhäuser und andere Bauten sowie große Bananenplantagen, Avocadobäume und Weinreben in Zeitlupe zermalmt und verbrannt wurden. Rund 1200 Hektar sind nun mit einer meterdicken Lavaschicht bedeckt, die nur langsam auskühlt.

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Teile der Insel wirken wie eine Mondlandschaft, aus der Asche ragen hier und da nur noch die Schornsteine verschütteter Häuser heraus. Mehr als 7000 Bewohner mussten in Sicherheit gebracht werden, die Schäden werden auf mehr als 900 Millionen Euro geschätzt.

Teile der Insel wirken wie eine Mondlandschaft

Teile der Insel wirken wie eine Mondlandschaft oder wie von braunem Schnee überzogen. Aus der Asche ragen hier und da nur Dächer verschütteter Häuser heraus. AP/Emilio Morenatti

La Palma ist die jüngste Insel der Kanaren, die wie die bekannteren Touristeninseln Teneriffa und Gran Canaria alle vulkanischen Ursprungs sind. Für die Menschen auf der westlichsten der Inseln kam der Ausbruch nicht wirklich überraschend. Immer häufigere Erdbeben während der Jahre und Monate vor dem Ausbruch hatten das Unheil angekündigt.

„Uns war klar, dass das Ding irgendwann hochgeht. Nur dachten wir, dass der Vulkan weiter südlich ausbrechen würde“, erinnert sich die Deutsche Kathrin Gouffran. Am 19. September musste sie dann wie Tausende Nachbarn Hals über Kopf aus ihrem Haus in Todoque fliehen, das bald darauf wie fast der gesamte Ort ein Raub der Lava wurde.

Berliner Auswanderin will trotzdem bleiben

Daran, die Insel nun etwa zu verlassen, denkt die 52-Jährige, die schon seit 20 Jahren auf La Palma lebt, aber genauso wenig, wie die meisten anderen der 85.000 Bewohner der Vulkaninsel. „Stärker als der Vulkan“, unter diesem Motto meisterten die Menschen monatelang die Krise, halfen sich gegenseitig und hoffen nun auf einen Neuanfang. „Ich liebe die Insel und ihre Menschen, die so hilfsbereit sind, dass es mich total überwältigt hat“, sagt die aus Berlin stammende Gouffran.

Noch aber treten Gase aus dem Vulkan aus. Die sind gesundheitsschädlich und die Behörden warnen deshalb alle, die zu ihren Häusern in der Nähe des Vulkans zurückkehren, etwa um Asche zu beseitigen oder wichtige Gegenstände zu sichern, sie sollten die Gebäude vorher mindestens 15 Minuten gut lüften. Der Vulkanausbruch sei zwar vorbei, aber der Notstand noch nicht, betonte Pérez.