Theaterregisseur Frank Castorf Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Der Theaterregisseur Frank Castorf hält die Corona-Maßnahmen für überzogen. „Mich stört in der momentanen Krise der Grad der Ideologisierung“, sagte der 68-Jährige dem „Spiegel“ laut Mitteilung vom Dienstag. Castorf äußerte Zweifel daran, „dass im Augenblick der Nutzen dem Aufwand entspricht“. „Wenn die Deutschen jetzt anfangen, aufgehetzt durch ihre Regierung, nicht bloß sich selbst dauernd gegenseitig zu erziehen, sondern die ganze Welt, dann finde ich das unverschämt.“

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„Ich möchte mir von Frau Merkel nicht mit einem weinerlichen Gesicht sagen lassen, dass ich mir Hände waschen muss“, kritisierte der Theatermacher. „Das beleidigt meine bürgerliche Erziehung.“ Er selbst sei Fatalist und habe keine Angst vor dem Tod. „Wenn ich todkrank werde, werde ich sagen: Es war ein gutes Leben, ich habe gekämpft.“

Außerdem offenbaren die Corona-Maßnahmen nach Castorfs Ansicht Schwachstellen der deutschen Politik und Wirtschaft. Noch immer bekomme nicht jeder einen Test, der sich testen lassen wolle. Es gebe kaum Desinfektionsmittel. „Ich finde, das ist ein bisschen schwach für einen Exportweltmeister“, sagte Castorf, der bis 2017 Intendant der Berliner Volksbühne war. (AFP)