Das Great Barriere Reef aus einem Flugzeug heraus fotografiert. Foto. imago images/Thomas Haupt

Seit Jahren gibt es vom Great Barrier Reef nur noch Hiobsbotschaften. Der menschengemachte Klimawandel hat längst seine Spuren an dem Naturdenkmal vor der Küste Australiens hinterlassen. In den vergangenen 25 Jahren sei die Hälfte aller Korallen verloren gegangen, sagen Forscher. Doch seit Jahren gibt es auch eine gute Nachricht: Erstmals seit 120 Jahren haben Meeresforscher ein neues, riesigen Korallenriff im Great Barrier Reef entdeckt.

Das Riff sei mehr als 500 Meter hoch, teilte die Stiftung Schmidt Ocean Institute zu Beginn des neuen Jahres mit. Rund eine Woche zuvor war das Riff von der Besatzung des Forschungsschiffes „Falkor“ entdeckt und bei einem live im Internet gestreamten Tauchgang erkundet worden. Das Korallenriff ist demnach an seiner Basis 1,5 Kilometer breit und reiche bis etwa 40 Meter unter die Wasseroberfläche. Zuletzt wurden in der Region im späten 19. Jahrhundert frei stehende Korallenriffe entdeckt.

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„Diese unerwartete Entdeckung bestätigt, dass wir in unseren Ozeanen weiterhin unbekannte Strukturen und neue Arten finden“, sagte Wendy Schmidt, Mitbegründerin des Schmidt Ocean Institutes. „Unser Wissen darüber, was sich im Ozean befindet, ist seit Langem so begrenzt. Dank neuer Technologien, die als unsere Augen, Ohren und Hände in den Tiefen des Meeres wirken, haben wir die Fähigkeit zu erkunden wie nie zuvor.“ Das Schmidt Ocean Institute kartografiert aktuell den Meeresboden.

Das Great Barrier Reef ist das größte Korallenriff der Welt und gilt seit 1981 als Weltnaturerbe. Mit einer Fläche von knapp 350.000 Quadratkilometern ist es größer als Italien. Doch durch den Klimawandel ist es stark gefährdet. Korallen sind sensible Organismen, die nur in bestimmten Temperaturbereichen existieren können. Sie gehen eine Symbiose mit bestimmten einzelligen Algen ein – von ihnen erhalten sie auch ihre Färbung. Nimmt die Wassertemperatur zu, stoßen die Korallen die Algen ab und verlieren damit auch ihre Farbe – die sogenannte Korallenbleiche.

Dauert diese Situation zu lange an, sterben die Korallen vollständig ab. Forscher sind sich einig: Kann die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter nicht auf 1,5 Grad begrenzt werden, könnten sich die Korallen möglicherweise nie mehr erholen.