Ein Flugzeug fliegt über den Wolken. Bald könnte es durch Begleitung Sprit sparen. Foto: Imago Images/ZVG/Montage: Salvatore Saba

Es ist unstrittig: Fliegen ist ein Klima-Killer. Doch viele Menschen wollen – oder können in unserer schnelllebigen Zeit – nicht komplett auf Flugreisen verzichten. Um das Fliegen wenigstens ein bisschen umweltfreundlicher zu machen, hat sich das UpNext, das Zukunftsbüro des Flugzeugbauers Airbus, nun Inspiration im Tierreich geholt. Um CO2 zu sparen, wollen sie die V-Formation von Zugvögeln nachahmen.

Bis zu zehn Prozent des Treibstoffs soll mit dieser Methode eingespart werden, sagte Sandra Bour Schaeffer, CEO von UpNext dem US-Sender CNN. Während bei Vögeln oft ein ganzer Schwarm mit Dutzenden Vögeln unterwegs ist, reichen, um die Methode bei Flugzeugen nachzuahmen, zwei Maschinen. Fello’Fly nennt das Zukunftsbüro das Modell, bei dem das nachfolgende Flugzeug durch einen Wirbel des vorausfliegenden Flugzeuges zusätzlichen Auftrieb erhalten und so Sprit und CO2 sparen soll.

Mit Aufwinden soll Kerosin gespart werden

Das vorausfliegende Flugzeug erzeugt von beiden Flügeln ausgehend einen Kern rotierender Luft, der als sogenannter Flügelspitzenwirbel bekannt ist. Üblicherweise lernen Piloten, diesen Wirbel zu meiden, da es laut CNN schon kleine Flugzeuge gegeben habe, die in einem solchen horizontalen Tornado umgedreht wurden. Doch nun sollen sich Piloten diese Verwirbelungen zunutze machen.

„Wir fliegen 1,5 bis 2 nautische Meilen (2,7 bis 3,7 Kilometer) leicht versetzt vom führenden Flugzeug entfernt“, erklärt Bour Schaeffer. Dort wirke nicht mehr der starke Wirbel, sondern eine gleichmäßige Strömung rotierender Luft. „Wir nutzen diesen Aufwind.“ Um zu beweisen, dass die Einsparungen tatsächlich so groß sind, wie Bour Schaeffer und ihr Team glauben, sollen schon bald Tests mit zwei Airbus-Maschinen vom Typ A350 stattfinden. „Es ist heute kein Produkt, aber wir glauben fest daran“, sagt die erfahrene Flug-Test-Ingenieurin.

So wollen Flug-Ingenieure zukünftig Sprit sparen.

In der Praxis wird das Einnehmen und Halten der Position für das nachfolgende Flugzeug die größte Herausforderung. Die Spur, die gehalten werden muss, sei nicht sichtbar, erklärt Bour Schaeffer CNN. „Wir müssen dem Piloten helfen, das Flugzeug richtig zu positionieren.“ Dazu werden derzeit Verfahren getestet, mit denen zwei Flugzeuge ihre Position koordinieren können. „Wir müssen sicherstellen, dass wir die Verbindung sicher durchführen können. Wir werden keinerlei Kompromisse bei der Sicherheit eingehen“, sagte Bour Schaeffer. Denn es könnte gefährlich werden, würde das nachfolgende Flugzeug in den Wirbel geraten.

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Dass die Technik, wenn sie richtig umgesetzt wird, tatsächlich funktionieren würde, zeigt ein Artikel des Ornithologen Henri Weimerskirch, den er im Jahr 2001 im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichte. Ihm und seinem Team gelang es, einer Schar Pelikane Herzfrequenzmesser anzubringen, und das Ergebnis zeigte deutlich: Die nachfolgenden Pelikane hatten im Formationsflug einen Rückgang der Herzfrequenz um 14 Prozent.