Fabian D. sitzt in Nürnberg im Gerichtssaal. Foto: dpa/Daniel Karmann

Fabian D. hat sich für seinen Gerichtstermin zurecht gemacht. Das Haar hat er sich ordentlich gescheitelt, dazu trägt er einen dunklen Anzug. Im Internet präsentierte er sich anders. Mit Kampfanzug und Totenkopf-Maske. Wahlweise neben einem Bild von Adolf Hitler oder mit einem selbstgebauten Gewehr. Der 23-Jährige steht als erstes mutmaßliches Mitglied der rechtsterroristischen Chatgruppe „Feuerkrieg Division“ in Nürnberg vor Gericht.

Zum Prozessauftakt am Donnerstag räumte Fabian D. über seine Anwälte ein, in der Chatgruppe aktiv gewesen sein. Auch den Vorwurf, dass er sich Waffen beschafft habe, ließ er nicht leugnen. Der Rechtsanwalt betonte aber, sein Mandant habe in keiner Weise einen Anschlag geplant. Der Elektriker aus dem Landkreis Cham habe niemanden schaden wollen. Seit Februar sitzt er in Untersuchungshaft.

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Im Netz klang das alles aber ganz anders. In der Chatgruppe „Feuerkrieg Division“ sind Rechtsextreme aus ganz Europa vernetzt. Fabian D. gab sich dort den Namen „Heydrich“ - wohl nach SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, der mit der „Endlösung der Judenfrage“ betraut war. Nach Ansicht des Landgerichts haben sich die Mitglieder der Gruppe unter anderem Anschläge gegen Juden und Muslime zum Ziel gesetzt. Und „Heydrich“ habe im Chat nach einem geeigneten Ort für einen Anschlag gesucht, sagte Oberstaatsanwalt Maximilian Laubmeier. Er wolle „es nah und persönlich machen“, soll er im Chat geschrieben haben. „Werkzeuge“ habe er nutzen wollen.

Waffen hat Fabian D. nachweislich besessen. Wie das Portal „nordbayern.de“ berichtet, bestellte er sich im Internet verschiedene Teile einer Kalaschnikow, zwei Luftdruckgewehre, zwei Schreckschusspistolen und einen Schreckschussrevolver. Alles lies er sich an seiner Großeltern liefern. In ihrem Garten soll er auch Schießübungen gemacht habe. Später sei er an einen tschechischen Schießstand gefahren, um dort den Umgang mit einer Kalaschnikow zu üben. 

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Fabian D. suchte viel Inspiration im Netz. Aus der Anklage geht hervor, dass der 23-jährige Elektriker aus dem kleinen Ort Cham sich Anleitungen zum Sprengstoff-und Bombenbau aus dem Internet herunterlud. Auch googelte er nach den Terroranschlägen von Christchurch und Halle. Dort hatten die rechtextremen Terroristen ihre Taten jeweils gefilmt und live im Internet übertragen.

Im Februar wurde Fabian D. in seinem Elternhaus festgenommen. Im Chat tönte er, er wolle durch seinen Anschlag zu einem „Heiligen“ werden. Ihm fehle nur noch ein „Ort der Andacht“, soll er geschrieben haben. Naheliegend, dass es sich wie in Halle oder Christchurch um eine Synagoge oder eine Moschee handeln sollte. Nun wartet wahrscheinlich der Knast auf „Heydrich“. Drei weitere Prozesstage sind angesetzt. Das Urteil soll am 4. Dezember gesprochen werden.