Eine Arbeitsszene in einem modernen Büro. Foto: Imago-Images/Florian Köttler

Im Artikel 3 schützt das Grundgesetz zumindest auf dem Papier Minderheiten. Niemand dürfe wegen seines Geschlechts, seiner Sprache oder Religion benachteiligt oder bevorzugt werden, steht da unter anderem. Was dort nicht steht, ist, dass diese Gleichberechtigung auch unabhängig von der sexuellen Identität gelten soll. Für diese Ergänzung setzt sich bereits seit mehr als zehn Jahren die Initiative artikeldrei ein – scheiterte aber stets am Widerstand der CDU, die in weiten Teilen argumentierte, dass diese natürlich mitgemeint sei. Wie nötig eine direkte Erwähnung der sexuellen Identität aber vielleicht doch ist, zeigt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Universität Bielefeld. Demnach werden 30 Prozent der Homosexuellen in Deutschland im Arbeitsleben diskriminiert. Unter Trans-Personen sind es sogar mehr als 40 Prozent.

Homosexuelle und Trans-Personen gehen laut der Studie, über die zuerst die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten, zwar in ähnlichem Maße einer Erwerbstätigkeit nach wie die übrige heterosexuelle Bevölkerung. Doch seien sie meistens höher qualifiziert und in anderen Branchen tätig. So liege der Anteil der Fach- oder Hochschulabsolventen in der Personengruppe bei 60 Prozent gegenüber der restlichen Bevölkerung gleichen Alters mit 42 Prozent.

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Unterschiede gibt es auch bei der Branchenwahl. So arbeiten Homosexuelle seltener im produzierenden Gewerbe, dafür aber häufiger als Heterosexuelle im Gesundheits- und Sozialwesen sowie der Kunst und Unterhaltung. Doch fast ein Drittel von ihnen geht im Beruf nicht offen mit seiner Sexualität um – aus Furcht davor, gemobbt und benachteiligt zu werden.

„Die Zahlen decken sich mit dem, was wir aus eigenen Erhebungen und auch aus unserer Beratungspraxis wissen“, sagte Bernhard Franke, der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, den Funke-Zeitungen. Im Arbeitsleben müssten homo- und bisexuelle Menschen häufig neben Mobbing auch sexuelle Belästigung erfahren und hielten deshalb ihre geschlechtliche Identität geheim. Franke betonte: „Niemand darf in Deutschland wegen seiner sexuellen oder seiner Geschlechtsidentität benachteiligt werden.“