Homeoffice bringt Arbeitnehmer offenbar dazu, auch wenn sie krank sind, zu arbeiten. dpa/Sina Schuldt

Man kann es nicht anders sagen: Die Verbreitung von Homeoffice war eine der Errungenschaften der Corona-Pandemie. Aus der Not heraus mussten zahlreiche Arbeitgeber eingestehen, dass es in vielen Jobs nicht wirklich stichhaltige Gründe gibt, aus denen die Arbeitnehmer ins Büro kommen müssten, und ihre Arbeit nicht auch einfach von zuhause aus erledigen können. Viele Menschen konnten sich so unnötige Anfahrtswege und viel Stress ersparen. Und doch scheint das Homeoffice in vielen Köpfen noch immer nicht den gleichen Stellungswert zu haben, wie eine Fahrt ins Büro. Das zeigt eine Untersuchung der Hamburger Kühne Logistics University (KLU) und der WHU - Otto Beisheim School of Management.

Arbeitnehmer im Homeoffice entwickeln Schuldgefühle

Denn offenbar empfinden viele Arbeitnehmer die Möglichkeit, im Homeoffice wahrzunehmen, noch immer als Zugeständnis ihres Arbeitgebers. Laut der Untersuchung entwickeln nämlich viel Arbeitnehmer im Homeoffice Schuldgefühle, wenn sie während ihrer Krankheit nicht erreichbar sind. Die Schuldgefühle entstehen dabei offenbar vor allem gegenüber dem Team. „Deshalb entscheiden sich einige, zumindest etwas zu arbeiten“, sagte die KLU-Professorin für Personalmanagement, Prisca Brosi. Diese Ergebnisse seien dabei unabhängig von der Schwere der Krankheit.

Doch dabei übersähen die Angestellten oftmals die Konsequenzen, die ihr Handeln hat. „Wenn ich weiterarbeite statt mich zu erholen, kann zusätzlich ein Schuldgefühl mir selbst gegenüber entstehen“, erklärt WHU-Professorin für Personalführung, Fabiola H. Gerpott. „Zum anderen spüren sie, dass ihre Entscheidung der eigenen Gesundheit schadet.“

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Die Wissenschaftlerinnen sehen bei diesem Problem auch die Arbeitgeber in der Pflicht. „Unternehmen sollten im Vorfeld klar ansprechen, dass Mitarbeitende mit diesem Verhalten ihrer eigenen Gesundheit schaden und nicht produktiv arbeiten können“, betonte Brosi. Es reiche nicht, Mitarbeitende einfach nur zu bitten, im Krankheitsfall zuhause zu bleiben. Immerhin: Das scheinen die meisten durch die Corona-Pandemie gelernt zu haben. Die Zahl derer, die erkältet noch ins Büro fahren würden, ist unter den 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Untersuchung zwischen 2019 und 2020 deutlich gesunken.