Betrüger geben sich als Polizisten aus, um sich in das Vertrauen von Senioren zu schleichen. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Auf dem Telefon-Display erscheint die Nummer der Polizei. Doch tatsächlich sind es Betrüger, die aus einem Callcenter in der Türkei anrufen und sich als Polizisten ausgeben. Mit dieser Masche hat eine international agierende Bande 1,2 Millionen Euro von deutschen Senioren erbeutet. Jetzt ist ein Großteil von ihnen hinter Gittern.

Der Polizei ist ein Schlag gegen eine international agierende Bande von Betrügern gelungen, die bundesweit ältere Menschen um ihr Erspartes gebracht haben.  Am Mittwoch durchsuchten Einsatzkräfte zahlreiche Objekte und nahmen mehrere Personen fest. Auch in Berlin wurden Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt und Beweismittel gesichert. 

Seit dem Jahr 2018 führt die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main gemeinsam mit dem für Bandenkriminalität zuständigen Fachkommissariat der Frankfurter Kriminalpolizei ein Verfahren gegen sogenannte „falsche Polizeibeamte“. Der Fokus der Ermittler lag insbesondere auf in Deutschland agierende Abholer und Logistiker, die über ein Callcenter in der Türkei Anweisungen erhalten haben sollen.

Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main am Mittwoch mitteilte, gaben die Anrufer des Callcenters vor, Polizisten zu sein. Unter einem Vorwand und durch äußerst geschickte Gesprächsführung wurden insbesondere ältere Menschen dazu gebracht, eine hohe Summe Bargeld oder teuren Schmuck an die vermeintlichen Polizisten auszuhändigen. „Die Anrufer sprachen ein sehr gutes Deutsch und rückten sich sehr gewählt aus“, erklärte Chantal Emch, Polizeisprecherin des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main.

Die Opfer blieben in allen Fällen mit immensen finanziellen Schäden zurück, da die Täter oft das gesamte Ersparte verlangten. „Einen Teil der Beute durften die Kuriere behalten, die weitaus größere Summe wurde über die heute festgenommenen Personen an die Hintermänner in der Türkei übermittelt“, sagte Emch auf Nachfrage des Berliner KURIER.

34-jähriger Berliner festgenommen

Das Landeskriminalamt Berlin unterstützte die Frankfurter Ermittler. Am Mittwoch wurde in der Bundeshauptstadt ein 34-jähriger Verdächtiger vorläufig festgenommen. „Er kam nach einer erkennungsdienstlichen Behandlung aber wieder frei“, so Emch. In Frankfurt wurden zeitgleich drei weitere Verdächtige festgenommen, darunter einer der Strippenzieher. Gegen den 32-jährigen Hauptverdächtigen bestand bereits ein Haftbefehl, der nun vollstreckt wurde. Er soll das illegal erlangte Bargeld gewaschen und an Hintermänner in die Türkei übermittelt haben, so die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main.

Bislang wurden in dem Verfahren acht Verdächtige festgenommen, wovon sich mittlerweile alle in Haft befinden. Diese sowie die Mittwoch festgenommene Person sollen für insgesamt 14 Taten verantwortlich sein. Ein 26-jähriger Logistiker wurde nach Angaben der Polizei bereits zu 12,5 Jahren verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Anders als bei der international agierenden Bande haben sich in Berlin und Brandenburg vor allem kleinere Gruppen von Betrügern auf die Vorgehensweise spezialisiert. Bei den Telefonaten warnen die Täter vor einer angeblich bevorstehenden Straftat - zum Beispiel Einbrecher in der Nachbarschaft oder korrupte Bankmitarbeiter - und versuchen so, hohe Geldsummen oder Schmuck von Senioren zu erlangen. Die Banden, die oft aus drei bis vier Betrügern bestehen, verwenden dabei Telefonnummern, die den Anschein erregen, zur Polizei zu gehören.