Derek Chauvin wurde zu 270 Monaten Haft verurteilt. Court TV/AP

Im Fall des getöteten Afroamerikaners George Floyd ist der Ex-Polizist Derek Chauvin zu 22,5 Jahren (270 Monaten) Haft verurteilt worden. Chauvin wurde beim Prozess in allen drei Anklagepunkten schuldig gesprochen. Der Richter begründete das Urteil mit der „ausgesprochener Grausamkeit“, mit der Chauvin vorgegangen sei. Chauvin war Ende April von den Geschworenen in dem Prozess unter anderem wegen Mordes zweiten Grades schuldig befunden worden. Nach deutschem Recht entspräche dies eher Totschlag. Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe für den 45-Jährigen gefordert, die Staatsanwaltschaft dagegen 30 Jahre Haft.

Der weiße Polizist hatte dem wegen Falschgeldvorwürfen festgenommenen Floyd am 25. Mai 2020 in Minneapolis rund neuneinhalb Minuten lang das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl der Schwarze wiederholt klagte, er bekomme keine Luft mehr. Darnella Frazier/AP

Der weiße Polizist hatte dem wegen Falschgeldvorwürfen festgenommenen Floyd am 25. Mai 2020 in Minneapolis rund neuneinhalb Minuten lang das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl der Schwarze wiederholt klagte, er bekomme keine Luft mehr. Ein Handyvideo des Todes von George Floyd sorgte weltweit für Schlagzeilen und löste in den USA landesweite Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze aus.

Chauvin wandte sich erstmals an Floyds Familie

Der Verkündung des Strafmaßes gingen Stellungnahmen von Floyds und Chauvins Familie voraus. Floyds Neffe und seine beiden Brüder mussten um Fassung ringen. Floyds zweiter Bruder begann zu weinen, als er am Freitag vor Gericht darüber redete, dass der Getötete seine kleine Tochter Gianna nie wieder sehen werde: „Er wird niemals den Gang bei ihrer Hochzeit entlangschreiten können“, bei ihrem 16. Geburtstag da sein oder sie ihren Schulabschluss machen sehen, sagte er. Seit dem Tod seines Bruders habe er keine Nacht ruhig schlafen können und stattdessen Floyds Tod wieder und wieder durchlebt. George Floyds siebenjährige Tochter Gianna Floyd sagte in einem abgespielten Video „ich vermisse und liebe Dich“ in Richtung ihres Vaters. Floyds Neffe Brandon Williams klagte: „Unsere Familie ist für immer zerbrochen.“

Erstmals wandte sich der Ex-Polizist Chauvin mit einer Botschaft and die Angehörigen Floyds. „Ich möchte der Familie Floyd mein Beileid aussprechen“, sagte Chauvin am Freitag in dem Gerichtssaal in Minneapolis (Minnesota). Wegen eines gerichtlichen Bundesverfahrens und einer möglichen Berufung könne er zur Zeit aber keine vollständige Stellungnahme abgeben.