Handschellen hängen von einer Decke. Die niederländische Polizei hat ein Gefängnis der Unterwelt mit einer Folterkammer entdeckt. Foto: openbaar Ministerie/ANP/dpa

Im Fall der Großrazzia mit rund 800 Festnahmen gegen ein Verbrechersyndikat, das über das Chatprogramm EncroChat kommunizierte und so letztlich auch aufflog, hat die niederländische Staatsanwaltschaft gemeinsam mit der Polizei neue Details mitgeteilt. Nach Behördenangaben habe man in der Ortschaft Wouwse in der südlichen Provinz Brabant sieben umgebaute Seecontainer entdeckt. Einer davon war laut Polizei und Staatsanwaltschaft „ganz offensichtlich dazu gedacht und fertig eingerichtet, um Menschen zu foltern“.

Diese Seecontainer nannten die Verdächtigen „das Behandlungszimmer“, hieß es am Dienstag von der Staatsanwaltschaft in Rotterdam weiter. In dem Container seien ein Zahnarztstuhl und zahlreiche Folter-Instrumente wie Heckenscheren, Zangen und chirurgische Instrumente gefunden worden.

Sechs weitere Container hätten die Tatverdächtigen zudem „als Gefängniszellen eingerichtet, schallisoliert mit WC und Handschellen an Decken und Böden“.

Die Kriminalpolizei war der Bande über das Abfangen von Telefon- und Chatgesprächen auf die Spur gekommen. Die Verdächtigen hatten nach Angaben der Polizei über das inzwischen geschlossene Netzwerk EncroChat ganz „über Entführungen und Folterungen gechattet“, so die Staatsanwaltschaft weiter.

Offensichtlich wollte die Bande sich bei den geplanten Entführungen als Sonderkommando der Polizei ausgeben. Die Ermittler fanden demnach zahlreiche Waffen, Polizeiuniformen, Stoppschilder, Blaulichter und schusssichere Westen.

Die Polizei hatte die potenziellen Opfer allerdings warnen können. Sie konnten rechtzeitig untertauchen. Die genauen Hintergründe der geplanten Entführungen sind noch unklar. Die Polizei schließt einen Zusammenhang mit Drogenhandel und Erpressungen nicht aus.