Bargeld für bekehrte Impfwillige: Das gibts bereits. imago images/Cavan Images (Symbolbild)

Die ersten deutschen Unternehmen machen es vor: Die Nordkette des Lebensmittelhändlers Edeka bietet Mitarbeitern Geld an, wenn sie sich mit einem der zugelassenen Corona-Impfstoffe piksen lassen. Ein Einkaufsgutschein über 50 Euro winkt jedem Impfwilligen, der im Edeka-Großhandel beschäftigt ist. Ein Unternehmenssprecher berichtet der „Tagesschau“, das Angebot sei gut angenommen worden. Nun will Rewe offenbar mit einem ähnlichen Angebot nachziehen. 

Freibier in New Jersey, Gratis-Joint in New York und Washington

AFP/David Ryder
Zwei Impfwillige erhalten jeweils einen Gratis-Joint in diesem Cannabis-Shop in Seattle, Washington. 

Deutlich mehr spendiert der US-Ableger des Lebensmitteldiscounters Aldi seinen Angestellten: 200 Dollar erhalten Filialmitarbeiter, wenn sie sich zu einem Corona-Impftermin entscheiden. Bei US-Mitarbeitern von Amazon im Kundenkontakt gibt es für die eine vollständige Impfung 80 Dollar. Andere Unternehmen haben ihre Kunden im Blick: So können Impfwillige in New Jersey auf ihre erste Dosis bei mehreren Brauereien mit einem Freibier anstoßen. Im benachbarten Bundesstaat New York locken Cannabis-Aktivisten Impfwillige sogar mit einem Gratis-Joint! Im US-Staat Washington wurde inzwischen ein Programm für Impfangebote in Cannabis-Shops aufgelegt: Impfwilligen Kunden winkt auch hier ein Gratis-Joint.

Nun fordern auch in Deutschland angesichts des deutlich sinkenden Impftempos immer mehr Politiker und Experten „kreativere Impfangebote“, und zwar dort, wo die Menschen sich häufig aufhalten. Bürger müssten sich auch in Fußgängerzonen, Wohnsiedlungen und bei Veranstaltungen impfen lassen können, forderte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, in der „Welt“.

Ministerpräsident Hans für Impf-Tombola: Fahrräder und Gratis-Kurse zu gewinnen!

Ähnlich sieht das die Ärztegewerkschaft Marburger Bund: „Da ist etwas mehr Kreativität bei den lokalen Behörden gefragt“, sagte die Vorsitzende Susanne Johna der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Donnerstag). „Wir müssen Menschen auch direkt ansprechen und nicht warten, bis sie ins Impfzentrum oder zum Hausarzt kommen. Je niedrigschwelliger, desto besser.“

Saar-Ministerpräsident Tobias Hans sprach sich für zusätzliche Anreize aus. „Man könnte an eine Verlosung denken, bei der unter den Impfbereiten beispielsweise ein Fahrrad, ein Fremdsprachenkurs oder ein anderer schöner Preis ausgegeben wird“, sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Mobile Impfteams und Sonderaktionen seien gerade in sozialen Brennpunkten nötig.

Impfmüdigkeit in Deutschland nimmt zu

Die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides rief im „Handelsblatt“ (Düsseldorf) zur Beschleunigung der Impfkampagnen auf. Die EU werde zwar ihr Ziel erreichen, bis Ende Juli genug Impfstoffe für 70 Prozent der Erwachsenen zu haben. Doch weil Virusvarianten „die Übertragbarkeit erhöht“ hätten, brauche man „mehr als 70 Prozent, um sicher zu sein“. Die Seuchenschutzbehörde ECDC werde zudem bald Empfehlungen für die Schulen vorlegen. „Wir können Kinder nicht zu Hause lassen, nur weil es keine Impfungen für sie gibt“, sagte Kyriakides.

In den vergangenen zwei Wochen ist die Zahl der Impfungen pro Tag in Deutschland zurückgegangen. Am Dienstag wurden nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts 699.500 Impfdosen verabreicht, am Dienstag der Vorwoche waren es 917.000, an den Dienstagen der drei Wochen davor jeweils mehr als eine Million Dosen.