Zwei Räumfahrzeuges des Winterdienstes räumen Neuschnee auf der A8 weg. Foto: dpa/Andreas Rosar

Deutschland kämpft weiterhin mit Schnee und klirrend kalten Temperaturen. Wegen des anhaltenden Wintereinbruchs gab es nach Angaben der Polizei vom Mittwoch weiterhin erhebliche Probleme auf den Straßen, auch wenn sich die Lage im Vergleich zu den vergangenen Tagen allmählich entspannte. So lösten sich die extremen Staus auf den Autobahnen 2 und 30 in Ostwestfalen in der Nacht zum Mittwoch langsam auf, wie die Polizei in Bielefeld mitteilte.

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Dort war der gesamte Verkehr in der Nacht zum Dienstag wegen der Wetterlage und liegengebliebener Fahrzeuge zum Erliegen gekommen, Autofahrer strandeten bei eisiger Kälte in bis zu 30 Kilometer langen Staus und mussten von Rettungskräften versorgt werden. In der Nacht zum Mittwoch meldete die Polizei eine "stabile" Lage, warnte aber weiterhin vor Behinderungen durch Kälte und glatte Fahrbahnen. Autofahrer sollten den Bereich "weiträumig" meiden.

Auch aus anderen Bundesländern wurden weiterhin diverse Unfälle und Verkehrsbehinderungen gemeldet. Zusätzliche Probleme machte die eisige Kälte, insbesondere in Teilen Ostdeutschlands. So berichtete die Thüringer Polizei, dass es auf den Autobahnen in ihrem Bundesland vermehrt zu Pannen komme, bei denen Fahrzeuge liegenblieben. "Teilweise haben die Fahrzeuge Probleme mit der Kraftstoffversorgung in Verbindung mit den sehr niedrigen Außentemperaturen", erklärte die Autobahnpolizei in Schleifreisen.

Durch den Einstrom extrem kalter Polarluft herrschte nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts (DWD) in der Nacht in weiten Teilen des Landes strenger Frost. Im Bereich der Mittelgebirge in der Mitte und im Osten machte sich dies am stärksten bemerkbar. Laut DWD war insbesondere Thüringen betroffen. Den Kälterekord der Nacht hielt die Thüringer Stadt Mühlhausen mit minus 26,7 Grad Celsius.

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Die Bahn kämpft gegen die Schneemassen - Reisende müssen sich auf Ausfälle und Verspätungen einestellen. 

Auch der Bahnverkehrs war weiterhin stark beeinträchtigt. Wegen der Auswirkungen des winterlichen Extremwetters war nach Angaben der Deutschen Bahn auch am Mittwoch praktisch bundesweit der gesamte Fernverkehr stark eingeschränkt. Von Dresden in Richtung Leipzig, Frankfurt am Main, Hannover und Köln sowie von Hamburg aus in Richtung Norden fuhren weiter überhaupt keine Fernzüge. Auch der Verkehr zwischen Deutschland und den Niederlanden fiel aus.

 "Auch heute und in den nächsten Tagen müssen Reisende in vielen Teilen des Landes witterungsbedingt mit erheblichen Einschränkungen im Nah- und im Fernverkehr rechnen", sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. In der Nacht zu Mittwoch hatte Deutschland eine besonders kalte Mitte mit «Kältepol» Thüringen: Nach vorläufigen Ergebnissen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurden dort die niedrigsten Werte gemessen. Mühlhausen lag dabei mit minus 26,7 Grad an der Spitze, gefolgt von Olbersleben mit minus 26 Grad und Dachwig mit minus 25,7 Grad.

Von deutschen Kälterekorden sind diese Werte nach DWD-Angaben allerdings noch deutlich entfernt: Auf der Zugspitze wurden schon einmal minus 35,6 Grad gemessen, während der historische Rekord jenseits der Berggipfel in den 70 er Jahren im sächsischen Marienberg mit minus 35,5 Grad verzeichnet wurde.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer rechnet weiter mit Beeinträchtigungen durch das extreme Winterwetter. Der CSU-Politiker sagte am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur: "In vielen Regionen Deutschlands beginnt die Lage sich allmählich zu beruhigen. Bis alles wieder seinen gewohnten Gang geht, kann es aber noch etwas dauern. Strecken- und gebietsweise bleiben Beeinträchtigungen."

Auch die Binnenschifffahrt ist vom Winterwetter betroffen: Von Mittwochabend an würden der Mittellandkanal und der Elbe-Seitenkanal gesperrt, wie das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Braunschweig mitteilte. Der Mittellandkanal ist mit gut 320 Kilometern die längste künstliche Wasserstraße in Deutschland.

Unterdessen verstärkten Hilfsorganisationen ihren Einsatz für Obdachlose und versorgten sie vielerorts mit warmem Essen, Getränken, Kleidung, Schlafsachen und Hygieneartikeln. Die Coronavirus-Pandemie verschärft die Situation der Bedürftigen zusätzlich, wie es etwa von der Diakonie hieß, dem Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirchen.