Der Kontakt mit einer Feuerqualle kann schmerzhaft sein.
Der Kontakt mit einer Feuerqualle kann schmerzhaft sein. imago

Was für irre Temperaturen selbst im hohen Norden: 34 Grad in Stralsund und Lübeck, allerdings halten sich die Wassertemperaturen noch vornehm zurück: Gerade mal 20 Grad erreichen die Höchstwerte an der Ostsee, nachdem sich die große Hitze immer nur schubweise in den Norden vorgekämpft hat.

In der Nacht auf Freitag werden die Temperaturen an der Küste auch deutlich zurückgehen und am Wochenende nicht einmal mehr 20 Grad erreichen. Könnte ein solcher Temperaturschock Auswirkungen auch auf die Meerestiere haben? Tatsächlich haben plötzliche, drastische Temperaturschwankungen Auswirkungen auf die Vermehrung ungeliebter Weichtiere, der Quallen. Immer wieder kommt es an Ostseestränden zu einer wahren Quallenplage. Wie so etwas entsteht und womit in diesem Hochsommer zu rechnen ist, erklärt eine Forscherin.

Schnell wird der Badeurlaub an der Ostsee zu einem Ekel-Erlebnis: Gerade im Hochsommer tummeln sich Quallen im grünlichen Wasser, der Kontakt ist vielen Strandurlaubern sehr unangenehm. Könnten die sehr hohen Temperaturen in diesen Tagen für eine akute Quallenplage mitten im Hochsommer führen?

Temperaturschock regt die Quallenvermehrung an, aber die Vermehrung braucht Zeit

Tatsächlich könnte die Sommerhitzewelle zwar einen zusätzlichen Temperaturschock für die bestehenden, am Boden festsitzenden Polypen erzeugen und so neue Medusen ins Wasser bringen, erklärt Jamileh Javidpour. Sie ist Professorin der Syddansk Universität in Dänemark und kennt sich mit den Weichtieren bestens aus. Der Temperaturschock habe aber keinen unmittelbaren Einfluss auf das Auftreten von Quallenblüten. Die schwimmende Form der jungen Nesseltiere ist für unser Auge unsichtbar. Um sichtbar zu werden, müssten diese zunächst wachsen, so Javidpour.

Nach Angaben der Meeresbiologin brauchen die Nesseltiere einen Temperaturschock, um Medusen zu produzieren, der jedes Jahr durch den Wechsel vom Winter in den Frühling eintrete. Die Medusen lassen sich mit der Strömung in andere Meeresbereiche treiben.

„Aufgrund eines milden Winters in diesem Jahr hatten wir für den Sommer mit einer höheren Quallenproduktion gerechnet“, sagte Javidpour. Die Nesseltiere hätten sich wegen des milden Winters zwar etwas früher vermehrt - das gelte für Ohren- wie Feuerquallen. Das frühere Auftreten von Feuerquallen habe jedoch die Population der häufiger vorkommenden Ohrenquallen kontrolliert. „Die Menge an Quallen änderte sich also nicht wesentlich, wohl aber ihre Jahreszeit.“

Die meisten heimischen Quallenarten sind harmlos - doch DIESE kann eine allergische Reaktion auslösen

Die meisten heimischen Quallenarten sind harmlos. Vorsicht sollte man nach Angaben von Javidpour nur bei der Feuerqualle walten lassen. Berührungen können eine allergische Reaktion auslösen. Betroffene sollten sich an Rettungsschwimmer der DLRG wenden und ihren Arzt kontaktieren.

Javidpour, die auch Gastwissenschaftlerin am Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung ist, betreibt seit 18 Jahren ein Monitoring der Quallen-Population in der Kieler Förde. Zur Verbreitung und Nutzung von Quallen lässt die Europäische Union in dem Projekt „GoJelly“ forschen, an dem neben der Universität von Süddänemark auch das Forschungsinstitut Geomar sowie die Kieler und die Hamburger Universität mitmachen. Über eine App meldeten Nutzer im vergangenen Jahr mehr als 600 Spots in der Ostsee. Das hilft Javidpour, das Prognosemodell zu verbessern.