Opfer liegen nach der Explosion in der Einkaufsstraße.
Opfer liegen nach der Explosion in der Einkaufsstraße. Twitter

Nach dem Bombenanschlag in der türkischen Metropole Istanbul mit sechs Todesopfern und über 80 Verletzten haben die Behörden nach eigener Darstellung die Person festgenommen, die die Bombe auf der Einkaufsstraße Istiklal hinterlegt haben soll. Das teilte Innenminister Süleyman Soylu am frühen Montagmorgen nach Angaben des staatlichen Senders TRT mit. Es gebe Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Soylu kündigte laut TRT Vergeltung an.

Die türkische Regierung hatte zuvor von einer verdächtigen Frau gesprochen. Auf Videos sei zu sehen, dass die Frau etwa 40 Minuten lang auf einer Bank auf der Einkaufsstraße gesessen habe und kurz vor der Detonation aufstand, so Justizminister Bekir Bozdag.

Bei dem Anschlag am Sonntagnachmittag starben nach offiziellen Angaben mindestens sechs Menschen, weitere 81 wurden verletzt. Vizepräsident Fuat Oktay sprach am Abend von einem „Terroranschlag“. Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem „hinterhältigen Anschlag“ auf die Metropole, in der rund 16 Millionen Menschen leben.

Die Explosion ereignete sich in der bekannten Istanbuler Einkaufsstraße Istiklal am Sonntag gegen 16.20 Uhr Ortszeit (14.20 Uhr deutscher Zeit). Rettungskräfte und Polizei waren in großer Zahl im Einsatz, berichtete der staatliche Sender TRT. 

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Rettungskräfte sind in großer Zahl in die Innenstadt von Istanbul gefahren.
Rettungskräfte sind in großer Zahl in die Innenstadt von Istanbul gefahren. AP/Francisco Seco

Online-Videos: Gewaltiger Knall und Flammen!

Auf Aufnahmen in den Online-Netzwerken ist ein mächtiger Knall zu hören, gefolgt von Flammen.

Die Bilder zeigen zudem einen großen, schwarzen Krater sowie mehrere auf dem Boden liegende Menschen. Die Explosion löste sofort Panik unter den Besuchern der Einkaufsstraße aus. Das Gebiet wurde umgehend evakuiert. Hubschrauber überflogen Beyoglu und angrenzende Stadtteile am frühen Abend. Die Straße ist ein touristischer Hotspot im europäischen Teil der türkischen Metropole.

Istanbul: Sicherheitskräfte am Ort der Explosion auf der beliebten Fußgängerzone Istiklal. Emrah Gurel
Istanbul: Sicherheitskräfte am Ort der Explosion auf der beliebten Fußgängerzone Istiklal. Emrah Gurel AP/Emrah Gurel

Die Polizei riegelte den Tatort weiträumig ab, den jeder Tourist auch wegen der dort verkehrenden historischen Straßenbahn kennt. Die Menschen in der Stadt wurden dazu aufgerufen, die Gegend zu meiden.

Nachrichtensperre für Medien verhängt

Andere Videos im Internet zeigen Krankenwagen, Feuerwehrfahrzeuge und Polizei am Tatort. In Sozialen Medien berichten Augenzeugen, dass die Geschäfte geschlossen und die Straße gesperrt wurde.

Der Hintergrund der Explosion sei aber auch bei den Offiziellen noch unklar. Lange hieß es, auch ein Unfall sei denkbar, inzwischen wird zunehmend von einem Anschlag ausgegangen.

Militär hat die Einkaufsstraße Istiklal in Istanbul abgesperrt.
Militär hat die Einkaufsstraße Istiklal in Istanbul abgesperrt. AP/Francisco Seco

Die türkische Rundfunkbehörde Rtük hatte zunächst offenbar eine vorläufige Nachrichtensperre für Medien verhängt. Berichte über die Explosion sollten vermieden werden, um Angst und Panik in der Bevölkerung zu vermeiden, hieß es. Die Sender CNN Türk und TRT etwa unterbrachen daraufhin ihre Berichte über die Explosion auf der beliebten Einkaufsmeile.

Istanbul schon mehrfach Ziel von Anschlägen

Istanbul war bereits in den Jahren 2015 und 2016 Zielscheibe einer blutigen Anschlagskampagne, zu der sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekannte. Dabei hatte sich 2016 ein Selbstmordattentäter auf der Istiklal in die Luft gesprengt und vier Menschen getötet, 39 weitere wurden verletzt.

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dpa/A. Brühl