Ungeimpfte hätten im kommenden Winter ein extrem hohes Infektionsrisiko, so ein Experte. Imago Images/Shotshop

Nach Einschätzung des Greifswalder Bioinformatikers Lars Kaderali steht ungeimpften Menschen die größte Gefahr durch eine Corona-Infektion noch bevor. Ungeimpfte hätten im kommenden Winter ein Infektionsrisiko, „das so hoch sein wird, wie es noch nie in der Pandemie war“, sagte der Leiter der Bioinformatik der Universitätsmedizin Greifswald der Deutschen Presse-Agentur.

Infektionszahlen steigen immer weiter an

Bei Infektionszahlen, die man in Mecklenburg-Vorpommern jetzt schon wieder überschritten habe, sei im vergangenen Jahr schon ein Lockdown diskutiert worden. Das sei wegen des Impfangebotes in diesem Jahr anders. „Im Prinzip läuft es jetzt durch.“ Das Infektionsgeschehen werde sich vor allem im nicht geimpften Teil der Bevölkerung abspielen. Das hätten zuletzt auch die Zahlen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) gezeigt: Bei den Ungeimpften habe die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner zuletzt bei über 100 und bei den Geimpften bei 20 bis 25 gelegen. Selbst in der Gruppe der über 60-Jährigen mit großem Risiko gebe es immer noch einen substanziellen Anteil Ungeimpfter.

„Wir werden – das sieht man ja jetzt schon – steigende Inzidenzen bekommen. Das wird sich sicherlich mit einsetzendem Winter dann auch beschleunigen.“ Hinter den zuletzt gestiegenen Infektionszahlen steht laut Kaderali zum einen die einsetzende Saisonalität – es wird kälter und Menschen halten sich vermehrt in Innenräumen auf, wo sich das Virus besser verbreitet. Daneben mache sich die aggressivere Delta-Variante bemerkbar sowie die höhere Mobilität der Menschen während der Herbstferien.

Nach Kaderalis Simulationen wird es etwa zu Weihnachten beziehungsweise um Neujahr herum zum Maximalwert der Sieben-Tage-Inzidenz kommen. Das hänge aber davon ab, wie schnell sich der Anstieg entwickle. „Ich kann mir auch vorstellen, dass das durchaus noch mal in den 200er-, 300er-, vielleicht auch 400er-Bereich geht.“

Eine genaue Vorhersage sei allerdings schwierig und hänge zum einen von dem Effekt der Saisonalität, aber auch von der tatsächlichen Impfquote ab. Hierzu gebe es unterschiedliche Angaben etwa von Lagus und dem Robert-Koch-Institut. Kaderalis Simulationen zeigten, dass dieser Faktor einen großen Effekt habe. Fünf Prozentpunkte mehr bei der Impfquote könnten demnach fast zur Halbierung der maximalen Sieben-Tage-Inzidenz der Infektionen führen.