Dieses Wrackteil fiel auf dem Spielplatz vor einem Kindergarten vom Himmel. Foto: dpa/Christophe Gateau

Wenn Tiefflieger der Bundeswehr über die Region Malchow und Nossentiner Hütte hinwegdonnern, schaut Andreas Schaade aufmerksam hin. „Das hat uns früher wenig interessiert“, sagt der Landwirt. Aber seit rund einem Jahr ist an der Mecklenburgischen Seenplatte alles anders: Am 24. Juni 2019 krachten über dem Fleesensee etwa 100 Kilometer nördlich von Berlin zwei Kampfflugzeuge zusammen.

Die Maschinen stürzten ab. Ein junger Pilot starb, der Zweite - ein erfahrener Fluglehrer - überlebte. „Wir können glücklich sein, das nicht noch mehr passiert ist“, sagt die Amtsvorsteherin und Bürgermeisterin von Nossentiner Hütte, Birgit Kurth.

Ein brennendes Flugzeug des Typs "Eurofighter" stürzt über der Mecklenburger Seenplatte vom Himmel.
Foto: dpa/Thomas Steffan

Wochenlang waren Nossentiner Hütte, Silz und Nossentin wochenlang abgesperrt. Nur wenige Hundert Meter neben den Dörfern waren die Wracks und auch Leichenteile des Getöteten niedergegangen. Auf Feldern, in Gärten und Wälder, aber auch auf dem Sportplatz und neben dem Kindergarten wurden Teile gefunden. „Die Bundeswehr hat immer noch Kisten hier stehen, wo Teile hineingeworfen werden“, sagt Kurth. Einheimische und Urlauber finden durch Zufall immer noch Eurofighter-Stücke.

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Zwölf Monate nach dem Flugunfall hat der General Flugsicherheit die Ermittlungen abgeschlossen. Laut dem Abschlussbericht steht der jüngere der beiden Unglückspiloten als Verursacher fest. Demnach soll der 27-Jährige bei dem Kampfflugmanöver der drei Maschinen (zwei gegen eins) unter anderem eine falsche Fluglinie geflogen sein. „Es gibt bisher keinen Hinweis, dass einer der beiden anderen Piloten einen Fehler gemacht hat“, sagt der Sprecher der Neubrandenburger Staatsanwaltschaft, Andreas Lins. 

Birgit Kurth ist Amtsvorsteherin und Bürgermeisterin von Nossentiner Hütte. Auch auf diesem Spielplatz gingen Wrackteile nieder.
Foto: dpa/Bernd Wüsteneck

Für Landwirt Schaade ist das alles lange her. „Auf unseren Feldern spüren wir nichts mehr vom Absturz und den Bergungsmaßnahmen“, sagt er. An der Absturzstelle unweit vom Kindergarten wurde auch Boden ausgetauscht. Im Augenblick gibt es mit der Dürre und der Corona-Krise größere Probleme als vor einem Jahr, sind sich die Amtsleiterin und Schaade sicher. Rund 100.000 Euro als Entschädigung für die letzte Ernte, die wegen des Unglücks zum Teil ausgefallen war, hat Schaade für seine beiden Agrarbetriebe erhalten. 

Weniger als zwei Wochen nach dem Unglück ging der Übungsbetrieb bei der Bundeswehr weiter. Tenor in der Truppe: Die Ausbildung muss nicht grundsätzlich anders aufgestellt werden. Der Eurofighter ist das sicherste Kampflugzeug in der Geschichte der Bundeswehr. Seit 2004 war kein deutscher Eurofighter abgestürzt. Auch ein Ende der Tiefflüge in der Region soll es nicht geben.