Im Nachhinein wünscht sich manch ein im Sterben liegender Corona-Patient, er hätte sich doch impfen lassen (Symbolbild). dpa/Bernd Wüstneck

Es sind Worte, die auch den letzten Impf-Gegner aufrütteln sollen. Worte, die ans Herz gehen und die einen so schnell nicht wieder loslassen. Worte einer jungen Arzthelferin, die jeden Tag Menschen sterben sieht: an Corona! Sie sagt: Die sterbenden Corona-Patienten betteln nach der Impfung!

„Ich begleite junge, gesunde Menschen mit sehr schweren Covid-Infektionen im Krankenhaus. Eines der letzten Dinge, die sie tun, bevor sie intubiert werden, ist, mich um den Impfstoff zu bitten“, schreibt die US-Arzthelferin Brytney Cobia vom Grandview Medical Center in Birmingham (Alabama) auf ihrer Facebook-Seite. „Ich halte ihre Hand und sage ihnen, dass es mir leidtut, aber es ist zu spät.“

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Impfgegner verlieren ihr Leben – Ärztin warnt vor Irrglauben

Doch damit nicht genug. „Ein paar Tage später, wenn sie gestorben sind, umarme ich ihre Familienmitglieder und sage ihnen, dass der beste Weg, ihren Angehörigen zu ehren, darin besteht, sich impfen zu lassen und alle, die sie kennen, zu ermutigen, dasselbe zu tun“, schreibt Brytney Cobia weiter.

Auf den Intensivstationen kämpfen Ärzte und Pfleger weltweit um Corona-Patienten. Viele von ihnen haben ein Impfangebot vorher ausgeschlagen. dpa/Sebastian Gollnow

Was sie dann zu hören bekäme, wäre immer dasselbe: „Sie weinen. Und sie sagen mir, sie dachten, es sei ein Scherz. Sie dachten, es sei politisch. Sie dachten, weil sie eine bestimmte Blutgruppe oder eine bestimmte Hautfarbe hätten, würden sie nicht so krank werden. Sie dachten, es sei ‚nur die Grippe‘. Aber sie lagen falsch.“ Wenn sie dann in ihr Büro gehe, die Todesanzeige schreibe, würde sie ein kleines Gebet sprechen, dass dieser Verlust im Nachhinein Leben rettet.

„Damals im Jahr 2020 und Anfang 2021, als der Impfstoff noch nicht verfügbar war, war es eine Tragödie nach der anderen“, sagte Brytney Cobia gegenüber dem Portal AL.com. Jetzt sei es mental und emotional anders, sich um jemanden zu kümmern, der seine Krankheit hätte verhindern können, sich aber entschieden hat, es nicht zu tun. Nur eine einzige ihrer Patienten war gegen Corona geimpft. Sie brauchte etwas Sauerstoff, erholte sich aber schnell. Viele andere starben.

„Pandemie der Ungeimpften“: Nur noch Angst und Bedauern

„Man geht in die Sache hinein und denkt: ‚Okay, ich werde mich für diese Person nicht schlecht fühlen, weil sie ihre eigene Entscheidung getroffen hat‘“, meint Brytney Cobia. „Aber dann sieht man sie tatsächlich, man sieht sie von Angesicht zu Angesicht, und das ändert wirklich noch einmal die Perspektive. Jetzt siehst du nur noch ihre Angst und ihr Bedauern.“

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Denn obwohl in den Vereinigten Staaten Impfstoffe verfügbar sind – seit Monaten – sind viele Menschen noch nicht geimpft. Die Regierung spricht von einer „Pandemie der Ungeimpften“. Alabama, wo Brytney Cobia in einer Klinik arbeitet, ist der Bundesstaat mit der niedrigsten Impfrate. Nur 33,7 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft. Corona-Fallzahlen und Krankenhauseinweisungen steigen aufgrund der ansteckenderen Delta-Variante des Virus in Alabama erneut drastisch an. Und den seit eineinhalb Jahren im Akkord arbeitenden Ärzten wie Brytney Cobia bleibt nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass sich mehr Menschen impfen lassen und der Spuk dadurch seinen Schrecken verliert.