Der Angeklagte sitzt in München vor Gericht. Ihn erwartet eine lange Haftstrafe. Foto: dpa/Britta Schultejans

Es ist ein Fall wie aus einem Krimi: Die Suche nach einer Mutter und ihrer 16-jährigen Tochter hielt München im Sommer 2019 in Atem. Auch wenn ihre Leichen nie gefunden wurden, steht Roman H., der Ehemann der Frau und Stiefvater des Mädchens, inzwischen wegen Mordes vor Gericht. Jetzt geht der Prozess zu Ende. Am Dienstag wird das Urteil gegen den 46-Jährigen am Landgericht München I erwartet. Es geht um Totschlag und Mord.

Am 13. Juli 2019 um genau 12.02 Uhr gab es das letzte Lebenszeichen einer der beiden Frauen. Damals schickte Tochter Tatiana eine WhatsApp-Nachricht an ihre Freundin: „Ich schreib dir gleich“ stand darin.

„Doch dazu kam es nicht mehr“, sagte Staatsanwalt Daniel Meindl in seinem Schlussplädoyer. „Sie war nur 16 Jahre alt. Sie hatte ihr ganzes Leben noch vor sich.“ Der Staatsanwalt fordert nun lebenslange Haft für den Deutsch-Russen wegen Totschlags an seiner Frau und Mordes an seiner Stieftochter. 

Ging den Taten ein Streit ums Testament voraus?

Meindl geht davon aus, dass Tatiana kurz nach der letzten Nachricht von ihrem Stiefvater getötet wurde – und davon, dass der Angeklagte zuvor schon Tatianas Mutter Maria umgebracht hatte. Als Motiv vermuten die Ermittler einen Streit zwischen dem Ehepaar – womöglich um ein Testament, das die Frau kurz zuvor in Russland hatte aufsetzen lassen. Ihr Mann wurde darin übergangen. Als Motiv für den Mord an seiner Stieftochter sieht Staatsanwalt Meindl Heimtücke, um die Tötung der Mutter geheim zu halten.

Trotz intensiver Suche wurden die Leichen der beiden Frauen allerdings nie gefunden. Doch schon eine Woche nach dem Verschwinden der beiden Frauen wurde Roman H. festgenommen. Die Indizien waren so belastend und seine Erzählung einfach nicht glaubwürdig. Er behauptet, die beiden Frauen hätten sich gegenseitig blutige Verletzungen zugefügt, hätten sich dann zurechtgemacht und seien shoppen gegangen. Er blieb daheim und entfernte die Blutflecken in der Wohnung.

Der 46-Jährige bleibt bei seiner Darstellung. Sein Verteidiger fordert Freispruch, weil die Taten „nicht mit der erforderlichen Sicherheit“ bewiesen seien.