Christopher Williams nach seiner Freilassung aus dem Knast.
Christopher Williams nach seiner Freilassung aus dem Knast. ZVG

Es war eines der größten Justizskandale in der Geschichte von Philadelphia (US-Bundesstaat Pennsylvania). Christopher Williams hatte unschuldig 25 Jahre in der Todeszelle gesessen – für sechs Morde, die ihm die Staatsanwaltschaft trotz klarer Beweise für seine Unschuld angehängt hatte. Nach seiner Freilassung wurde er selbst zum Kläger gegen die Behörden. Das Tragische: Gerechtigkeit wird der 62-Jährige nicht mehr erleben. Der sechsfache Vater wurde jetzt auf dem Weg zu einer Beerdigung erschossen.

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Williams wurde 1989 wegen sechsfachen Mordes – darunter einem Dreifachmord – zum Tode verurteilt. Er pochte stets auf seine Unschuld. Es dauerte drei Jahrzehnte, bis ein neu gegründeter „Integritätsausschuss“ der Staatsanwaltschaft von Philadelphia den Fall noch einmal aufrollte.

Er fand schockierende Fakten in den Akten: Die Hauptbelastungszeugen und Informanten hatten nachweislich gelogen und ein ganzer Berg von forensischen Beweisen, der Williams als Täter ausschloss, wurde von der damaligen Staatsanwaltschaft vor der Verteidigung versteckt. Das Fazit: Williams Fall wurde auf einem „Kartenhaus von Lügen und schwerer absichtlicher Verfehlungen der Strafverfolgungsbehörden“ aufgebaut.

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Christopher Williams saß unschuldig im Knast.
Christopher Williams saß unschuldig im Knast. ZVG

Williams wurde im Februar 2021 von einem Berufungsgericht in allen Mord-Fällen für unschuldig erklärt und kam frei. Seither arbeitete der Ex-Häftling als selbstständiger Zimmermann und konnte sich sogar seinen Traum von einem eigenen Haus und einer eigenen Firma erfüllen. Im Dezember 2021 verklagte Williams die Stadt Philadelphia, den ehemaligen Staatsanwalt Lynne Abraham, den Prozess-Staatsanwalt David Desiderio und 17 Polizisten vor dem Obersten Gerichtshof auf Schadensersatz. Wegen Verzögerungen durch Corona sollte es aber erst im neuen Jahr die erste Anhörung geben.

Hinrichtung per Kopfschuss

Die wird Williams nicht mehr erleben. Laut Freunden im Philadelphia Enquirer erschien er am letzten Freitag zur Beerdigung seines Ex-Zellennachbarn Tyree Little. Als er aus seinem Auto stieg, wurde er von einem Unbekannten mit einem Schuss in den Kopf regelrecht hingerichtet.

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Laut Behörden schien der Mord geplant, es gibt aber keinen offiziellen Verdächtigen. Theophalis Wilson, der als Williams angeblicher Komplize 1989 ebenfalls verurteilt und nachträglich freigesprochen wurde, hat nun selbst Angst um sein Leben: „Ich muss sehr auf der Hut sein – wie alle, die mit Chris in Verbindung standen.“ Vor wem, das wollte Wilson lieber nicht laut sagen.