Tim Nießner hat selbst noch kein Abitur, dafür aber eine Anleitung für den perfekten Abschluss geschrieben. Foto: dpa/Marcel Kusch

Wie bekommt man das hin: Ein Abi mit 1,0 oder sogar noch besser? Das wollte der 18-jährige Tim Nießner aus Düsseldorf herausfinden. Selbst hat er den Abschluss noch nicht. Dafür aber ein eigenes Buch – und die Gewissheit: „Jeder kann ein Einser-Abi schaffen“.

Für sein Buch „Die geheimen Tricks der 1,0er-Schüler“ hat Nießner mit fast 100 der besten Abiturienten Deutschlands gesprochen. Um mit ihnen in Kontakt zu treten hat er bundesweit 2200 Schulen angeschrieben. Die erste Überraschung in seiner Recherche: „Man muss nicht übel schlau sein, um das zu schaffen“, sagt Nießner. Nur die wenigsten seien hochbegabt gewesen. Außerdem seien nur die wenigsten klassische Streber gewesen. „Die haben gar nicht den ganzen Tag gelernt. Die haben sich fast alle neben der Schule viel Zeit für Hobbys und Freunde genommen. Ein Ausgleich sei sogar extrem wichtig, haben sie gesagt“, berichtet er.

Wer im Unterricht aufmerksam ist, muss auch nichts nachholen

Tim Nießner

Für ein sehr gutes Abitur seien eher andere Dinge gefragt: Am wichtigsten sei die mündliche Mitarbeit, sagen die Einser-Abiturienten. Und zwar nicht nur, weil die Beteiligung am Unterricht 50 Prozent der Gesamtnote ausmache, sondern weil damit man auch schon meist den Stoff beherrsche und auf dem halben Weg zu einer sehr guten Klausurnote sei. „Die Spitzenschüler sagen, die mündliche Mitarbeit ist das A und O - und macht in Wirklichkeit 70 bis 80 Prozent aus. Wer im Unterricht aufmerksam ist, muss auch nichts nachholen.“

Lehrer mit Respekt behandeln, aber nicht schleimen

Die Abi-Überflieger sagen aber auch: Sympathie sei sehr wichtig, kein Lehrer schaue streng nur auf die Leistung: „Wer den Lehrer mit Respekt behandelt und ein gutes Verhältnis aufbaut, hat bei ihm einen Bonus.“ Aber man sollte es auf keinen Fall übertreiben: „Nicht schleimen! Lehrer waren auch mal Schüler. Niemand mag Schleimer!“ Wer noch höher hinaus will, sollte zusätzlich jeden Tag lernen und nicht nur vor Klausuren. Mit zehn Minuten täglich anfangen und sich auf eine Stunde am Tag steigern – mehr müsse gar nicht sein. Wer das auch in den Ferien mache, habe schnell einen enormen Vorsprung.

Tim Nießner gibt zu, früher selbst nicht besonders gut in der Schule gewesen zu sein. In der sechsten Klasse lag sein Notenschnitt bei 3,0. Doch dann packte ihn der Ehrgeiz und nach vier Jahren hatte er sich auf 1,3 verbessert. Am Anfang war das durchaus frustrierend, sagt er. „Es dauert, bis man beim Lehrer aus der 3er-Schublade rauskommt und in eine höhere rein.“ Durchhalten ist angesagt: „Irgendwann ist man oben angekommen und dann ist es dafür leichter, dort zu bleiben.“