Forscher entschlüsseln die Partnerwahl der Frauen.  Foto: imago images/Panthermedia

Frauen bevorzugen große Männer bei der Partnerwahl. Diese Vorliebe könnte sich im Lauf der Evolution deshalb entwickelt haben, weil sich größere – und damit meist stärkere – Männer oft erfolgreicher gegen andere durchsetzen. Zudem erlangen sie eher einen hohen sozialen Rang und zeugen mehr Kinder. Bisher ließen sich allerdings von der Körpergröße abhängige Unterschiede im Testosteronspiegel nicht nachweisen. Doch jetzt haben polnische Forscher festgestellt, dass bei großen Männern die Produktion des Sexualhormons nach starker körperlicher Aktivität deutlicher ansteigt als bei kleinen Männern, wie sie im Fachblatt „Evolution and Human Behavior“ berichten.

Die nur im Bedarfsfall erhöhte Testosteronproduktion könnte verschiedene Stoffwechselprozesse aktivieren und die körperliche Leistungsfähigkeit schnell verbessern, ohne gesundheitsschädliche Nebenwirkungen zu verursachen. „Unsere Ergebnisse würden erklären, warum größere Männer auf Frauen attraktiver wirken und mehr Kinder haben als kleinere Männer“, schreiben die Forscher um Piotr Sorokowski von der Universität Wrocław.

Körpergewicht, Muskelmasse und Gesichtszüge

Als positives Signal bei der Partnersuche sei die Körpergröße aber nur eines von mehreren körperlichen Merkmalen, da auch Körpergewicht, Muskelmasse und Gesichtszüge dabei von großer Bedeutung sind. Obwohl ein hoher Testosteronspiegel ebenfalls mit großer Dominanz und ausgeprägter Männlichkeit verbunden ist, ließ sich bisher keine eindeutige Beziehung zwischen Körpergröße und Blutwert des Sexualhormons nachweisen.

An der neuen Studie beteiligten sich 97 gesunde Männer im Alter von 19 bis 25 Jahren. Die Testpersonen mussten etwa zehn Minuten auf einem Fahrradergometer trainieren, wobei einige kurze Sprints unter starker Belastung zu absolvieren waren. Kurz vor und nach dem Radfahren gab jeder je eine Probe von zwei Millilitern Speichel ab, die auf den Gehalt an Testosteron und Cortisol untersucht wurde. Wie erwartet, ergab sich kein Zusammenhang zwischen den vor dem Training gemessenen Testosteronwerten und der Körpergröße der Probanden.

Testosteron und Cortisol

Nach dem Radfahren waren die Testosteronwerte insgesamt um durchschnittlich 9,4 Prozent erhöht, während sich die Blutspiegel des Stresshormons Cortisol kaum verändert hatten. Je größer der Mann, desto stärker war der Anstieg seines Testosteronwertes nach dem Training, während Alter, Puls und Körpergewicht dabei keine Rolle spielten. Ein überdurchschnittlich großer Mann kann also seine Testosteronproduktion in einer Stresssituation stärker steigern als andere und dadurch wahrscheinlich höhere körperliche Leistungen erbringen.

Möglicherweise fördert ein wenn auch nur zeitweise erhöhter Testosteronspiegel bei Jungen das Körperwachstum in der Pubertät, vermuten die Autoren. Ein dauerhaft hoher Hormonspiegel könnte dagegen gesundheitliche Nachteile mit sich bringen. Durch welchen Mechanismus körperliche Anstrengung die Testosteronproduktion verstärkt, ist noch nicht bekannt. (wsa)