Auf einem Markt in Kambodscha werden gebratene Larven des Seidenspinners feilgeboten.
Auf einem Markt in Kambodscha werden gebratene Larven des Seidenspinners feilgeboten. dpa/Chris Humphrey

Schön, dass es  gutes neues eiweißhaltiges Essen für uns Menschen gibt, was den Fleischkonsum drücken kann, und das zusätzlich mit Vitaminen, Mineralien, Ballaststoffen und Fett gesegnet ist. Allerdings sind diese Lebensmittel für die meisten Europäer gewöhnungsbedürftig: Sie sind aus Insekten gemacht. Die EU-Kommission hat jetzt für Europa genehmigt, dass Hausgrillen  als „teilweise entfettetes Pulver“ und die Larven des Getreideschimmelkäfers zum menschlichen Verzehr angeboten werden dürfen.

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Zuvor waren zuerst 2021 der getrocknete gelbe Mehlwurm, dann die Wanderheuschrecke, der Buffalowurm und das Heimchen als Ganzes, als normales Pulver oder gefriergetrocknet erlaubt worden. In Berlin bietet ein Catering-Unternehmen deshalb schon Insekten-Burger an.

Nahrhaft und gesund, sagt die UN-Ernährungsorganisation

Insekten werden in vielen Teilen der Welt regelmäßig gegessen, teilte die Kommission mit, und verweist auf die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO): Die habe mit verschiedenen Studien den  Wert von Insekten für die Ernährung bewiesen. Sie würden auch gegen den Hunger auf der Welt helfen.

Zum Glück muss man sehr genau hinsehen, um die Insekten in den Lutschern zu erkennen, die es auch im Internet zu kaufen gibt.
Zum Glück muss man sehr genau hinsehen, um die Insekten in den Lutschern zu erkennen, die es auch im Internet zu kaufen gibt. imago/Ton Koene

In der EU müssen Hersteller für jedes Insekt, das sie auf den Markt bringen wollen, dennoch eine Zulassung als „neuartiges Lebensmittel“ beantragen.

Vietnamesische Firma will das Grillenpulver vermarkten

Und so wurde dem Antrag der vietnamesischen Firma Cricket One Co. Ltd nach Untersuchungen durch die Europäische Lebensmittelbehörde stattgegeben, „teilweise entfettetes Pulver aus Acheta domesticus (Hausgrille)“ zunächst für fünf  Jahre als Lebensmittel auf den Markt zu bringen. 

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Die entsprechende neue Verordnung für das„ teilweise entfettete Pulver“ aus der auch als Heimchen bekannten Grille listet auf, dass es unter bestimmten Höchstmengen zum Bestandteil unter anderem von Mehrkornbrötchen, Keksen, Soßen, Schokolade oder auch Pizza verwendet werden darf.

Auch auf der Grünen Woche wurden schon geröstete Heuschrecken zum Probieren angeboten.
Auch auf der Grünen Woche wurden schon geröstete Heuschrecken zum Probieren angeboten. dpa/Wolfgang Kumm

Auf der Verpackung muss eine Allergiewarnung stehen

Bedingung: Die Verwendung von Insekten muss in der Zutatenliste auf der Verpackung auftauchen. Verbunden mit einem Hinweis an Allergiker, die auf Krebs- und Weichtiere sowie Hausstaubmilben reagieren.

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Das gilt auch für die „Larven von Alphitobius diaperinus (Getreideschimmelkäfer) in gefrorener, pastenartiger, getrockneter und pulverisierter Form“, deren Genehmigung die niederländische Firma Ynsect NL B.V.  beantragt hatte. Das ist eine Tochterfirma des 2011 in Paris gegründeten Unternehmens  Ynsect, das seither Dünger, Futter für Haus- und Nutztiere sowie Fische aus Insekten produziert, und jetzt auch Essen für Menschen.  

Hier steht in der Verordnung der EU-Kommission, dass die pulverisierten Larven von der Firma unter anderem in Erdnussbutter gemischt oder zum Bestandteil von Nudeln gemacht werden dürfen. Getrocknet dürfen sie in Getreideriegeln eingesetzt werden, als Paste oder gefroren in gefüllten Teigwaren. 

Gefriergetrocknete Heimchen: Künftig sind sie nicht nur so als Snack, sondern auch als teilweise entfettetes Pulver in Lebensmitteln erlaubt.
Gefriergetrocknete Heimchen: Künftig sind sie nicht nur so als Snack, sondern auch als teilweise entfettetes Pulver in Lebensmitteln erlaubt. Wikipedia/Wilhelm Thomas Fiege/insektenwirtschaft.de - Own work, CC BY-SA 4.0,

Ein Produktionshinweis, der nicht sooo lecker ist

Auf sogenannten Nahrungsergänzungsmitteln muss stehen, dass Personen unter 18 Jahren sie nicht zu sich nehmen dürfen, und es gibt einen ganz speziellen Produktionshinweis:  „Vor dem Abtöten der Insekten durch eine Hitzebehandlung ist eine Futterkarenz (also: Kein Futter, d. Red.) von mindestens 24 Stunden erforderlich, damit die Larven ihren Darminhalt abgeben können.“

Im Internet findet man längst auch Rezepte für die Zubereitung von Insekten. Zum Beispiel dieses für zwei Portionen pikanter frittierter Heuschrecken, was nur zehn Minuten braucht. 

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Frittierte Heuschrecken, in zehn Minuten fertig

Dafür braucht man 20 Gramm gefriergetrocknete Heuschrecken, eine rote Chili-Schote, zwei Knoblauchzehen, eine Limette, Erdnuss-Öl und eine Prise Salz.

Zuerst müssen Flügel und Beine der Heuschrecken entfernt, der Knoblauch geschält und die Chili-Schote kleingeschnitten werden. Anschließend wird ein Schuss Öl auf mindestens 160 Grad erhitzt, dann kommen Knoblauch, Chili und am Schluss die Heuschrecken in die  Pfanne hinein, bis sie knusprig hellbraun sind. Mit Limettensaft und Salz abschmecken, gut durchrühren und aus der Pfanne holen. 

Sind die Heuschrecken abgetropft,  warm mit Chili-, Knoblauch und Limettenstücke servieren.

P. S.: Wer vor Insekten als gar zu exotischem Lebensmittel zurückschreckt, sollte mal europäische Leckereien wie Surströmming, Hákarl oder Mellnkase googeln ...