Eine Alarmsirene auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses neben Mobilfunkantennen.
Eine Alarmsirene auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses neben Mobilfunkantennen. dpa/Soeren Stache

In Zeiten von Mobilfunk und Internet ist kaum noch jemand bewusst, wofür Sirenen eigentlich da sind. In Zeiten des Kalten Krieges gab es vielerorts Probealarm für einen möglichen Ernstfall, auch wenn darauf kaum jemand wirklich vorbereitet war. Für einen zivilen Notfall, also eine Naturkatastrophe, eine Großlage nach einem Industrieunfall oder dergleichen gibt es die Katwarn-App, die am Donnerstagmorgen in Berlin-Grunewald vor einer „extremen Gefahr“ warnte, nachdem eine Explosion auf einem Sprengplatz der Polizei einen Waldbrand ausgelöst hat.

Der Fall im Grunewald hat gezeigt: Das Warnsystem funktioniert. Allerdings gab es heftige Kritik daran, als Mobilfunk-User 2021 vor aufziehenden Katastrophen nicht gewarnt wurde. Die verheerenden Überschwemmungen im Ahrtal verdeutlichten das Problem, dass im Falle massiver Zerstörungen Mobilfunknetze ausfallen können, eine Warnung also womöglich die Betroffenen nicht erreicht.

In Berlin erst 19 Warnsirenen installiert, in Köln Sirenen in der ganzen Stadt verteilt

In Berlin hat man sich inzwischen darauf verständigt, für den Katastrophenfall ein flächendeckendes Sirenennetz neu zu installieren. 19 Warnsirenen sind in der Hauptstadt bereits angeschlossen, insgesamt sollen bis Jahresende 400 im Dienst sein. Welche Probleme damit verbunden sein können, hat sich allerdings am Donnerstagvormittag in der rheinischen Großstadt Köln gezeigt. Dort sind im Stadtgebiet 106 Sirenen verbaut. Viermal im Jahr werden sie getestet, der Probealarm wird vorher angekündigt.

Auch das hat die Einwohner Kölns nicht davor bewahrt, was sich am Vormittag abspielte: Ungeplant gingen ab 10.35 Uhr gleichzeitig sämtliche Sirenen los – und versetzten viele Anwohner in Aufruhr. Denn von einem Probealarm war nichts bekannt. Kurz darauf ertönte an langanhaltendes Geräusch, das auch nicht jeder zuordnen konnte. Es bedeutet: „Entwarnung“.

Das steckte hinter der Sirenen-Warnung von Köln tatsächlich

Aber was steckte dahinter, wovor wurde gewarnt, und was hätten die Gewarnten tun sollen? Nach Angaben der Feuerwehr handelte es sich um einen Fehlalarm, der durch eine technische Störung entstanden war. Eine Gefahr bestand also nicht.

Ein Feuerwehr-Sprecher erklärte dem Express, bei turnusgemäßen Wartungsarbeiten sei es zu einer „Fehlbedienung“ gekommen. Jemand hatte also auf den falschen Knopf gedrückt. Aber was die Gewarnten denn im Falle einer tatsächlichen Katastrophe hätten tun können, bleibt unklar: Vorgesehen wäre, dass lokale Medien die Bevölkerung informieren. Im Falle eines flächendeckenden Stromausfalls würden Durchsagen von Einsatzkräften diese Aufgabe übernehmen.

Doch die Flutkatastrophe von 2021 hat gezeigt, dass auch dies unter extrem ungünstigen Umständen nicht gewährleistet wäre: Viele Anwohner überfluteter Flüsse waren von der Außenwelt abgeschnitten. Bevor sich die Rettungskräfte dorthin vorgekämpft hatten, hatten bereits falsche Helfer zahlreiche Betroffene mit Falschinformationen verunsichert und Leute gegen staatliche Rettungskräfte aufgestachelt.