Freie Auswahl am Emoji-Buffet: Heutzutage gibt es mehr als 3300 Emojis. Foto: dpa/Jörg Carstensen

Tränen lachen, Okay geben oder Flagge zeigen: Mehr als 3300 Emojis stehen heute für die digitale Kommunikation bereit. Am Anfang war die Auswahl noch deutlich geringer. Aber wo genau liegt der?

Das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) rühmt sich, die „originale“ Kollektion der Emojis zu besitzen. Im Jahr 1999 entwirft Designer Shigetaka Kurita 176 Piktogramme für den japanischen Mobilfunkanbieter NTT Docomo – darunter Sternzeichen, Herzchen und Wetterphänomene. Die Gesichter mit ihren unverkennbaren Anleihen aus Manga-Comics bestehen damals nur aus Augen und Mund – ohne Kreis. Mit dabei sind seinerzeit aber schon die noch heute bekannten Pfeil-Symbole „Soon“ und „End“.

„Schlicht, elegant und prägnant“, schreibt das MoMA über die Zeichen von je 12 mal 12 Pixeln. „Kuritas Emojis pflanzten die Samen für die Explosion einer neuen Bildsprache.“ Das Wort „Emoji“ stammt von den japanischen Schriftzeichen für „e“ (Bild), „mon“ (Ausdruck) und „ji“ (Buchstabe).

Zunächst ist Kuritas Tableau nur in Fernost erhältlich. Erst mehr als ein Jahrzehnt später setzen die Piktogramme zum weltweiten Siegeszug an. 2010 erhalten die Emojis endgültig ihren Platz im Unicode, dem Standard für digitale Codierung. Zur Auswahl stehen dann schon Hunderte Zeichen. So landen sie auf den Handys von Apple und Google, auf Plattformen wie Facebook und Twitter – und vermehren sich seitdem rege weiter. Die Ursprünge liegen aber wohl früher. So hatte ein Pager des japanischen Telekommunikationskonzerns Softbank bei seiner Veröffentlichung am 1. November 1997 bereits 90 Bildchen im Programm, darunter den legendären Kothaufen.

Dank Emojis lassen sich nahezu sämtliche Emotionen bildlich darstellen. Foto: dpa/Jörg Carstensen

Geht man noch tiefer in die digitale Archäologie, trifft man auf die seitlich liegenden Smileys, die sich mit der herkömmlichen Tastatur darstellen lassen. „Ich schlage die folgende Zeichenfolge für Witz-Markierungen vor :-)“, empfiehlt am 19. September 1982 Scott Fahlman aus Pittsburgh zur Vereinfachung der Kommunikation. „Das war ein bisschen albern“, sagt der US-Professor später in einem Interview. Fahlman gilt vielen als Urvater der digitalen Smileys.

Doch schon viel früher lässt sich ein ;) finden – 1862 in der „New York Times“. In einer Rede von Präsident Abraham Lincoln druckt die Zeitung ein „(applause and laughter ;)“ als Reaktion des Publikums. Ein Tippfehler? Experten merken an, dass Zeitungstexte seinerzeit aus einzelnen Drucktypen gesetzt wurden und Flüchtigkeit eigentlich auszuschließen sei. Ein übereinstimmendes Urteil, ob es sich im Licoln-Text wirklich um ein Zwinkern handelt, gibt es aber nicht.

Und davor? Im türkischen Karkamis nahe der syrischen Grenze gruben italienische Forscher einen fast 4000 Jahre alten Tonkrug aus der Hethiter-Zeit aus. Darauf: zwei Augen und ein gebogener Mund. Der Fund gilt als das bislang ältester Smiley der Welt.

Heute gibt es kaum eine Gefühlslage, Mimik oder Gestik, die nicht dargestellt werden kann – und es gibt das Kalender-Emoji. Das zeigt stets den 17. Juli – den Welt-Emoji-Tag.