Katastrophenschutzmitarbeiter machen sich in Kenia ein Bild von der Plage. Foto: dpa/Patrick Ngugi

Die verheerenden Folgen der jüngsten Heuschreckenplage in Ostafrika werden gerade erst deutlich, da warnen Experten bereits vor neuen Schwärmen, die noch mehr Land verwüsten könnten als bisher. Die Lage wird immer bedrohlicher. 

Allein in Äthiopien hatte die Heuschreckenplage bereits 200.000 Hektar Ackerland zerstört. Die Tiere hatten Hirse-, Weizen- und Maisfelder abgefressen und Weideland für Nutzvieh zerstört. Rund eine Million Menschen wurde laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in dem ostafrikanischen Land durch die Plage von Lebensmittelhilfen abhängig. Besonders schlimm traf es die Regionen Somali und Oromia. Hier benötigen rund drei Viertel der Menschen Lebensmittelhilfen, um zu überleben. 

Zahlreiche Länder Ostafrikas sind betroffen

Äthiopiens Nachbarland Somalia hatte wegen der massenhaften Vermehrung der Wüstenheuschrecken bereits im Februar den Notstand ausgerufen. Mittlerweile leiden große Teile Ostafrikas unter der Plage, auch Kenia, Dschibuti, Eritrea, Tansania, der Sudan, der Südsudan und Uganda.

Auch Kenia ist von der Plage betroffen: Heuschrecken bedecken Böden und Pflanzen.
Foto: dpa/Sven Torfinn

Nach Angaben der FAO vermehren sich die Wüstenheuschrecken wegen einer sehr feuchten Regenzeit mit außergewöhnlicher Geschwindigkeit. Üblicherweise leben die Tiere als Einzelgänger. Stimmen aber die Gegebenheiten, schließen sie sich zu riesigen Schwärmen zusammen und beginnen zu wandern. Laut FAO können sie bis zu 150 Kilometer am Tag zurücklegen. Dabei hinterlassen sie oftmals ein Bild der Zerstörung.

Experten warnen vor neuer Heuschrecken-Welle

In Ostafrika scheinen die Bedingungen für die Heuschrecken zu stimmen – und so scheint der nächste schreckliche Höhepunkt unmittelbar bevorzustehen. Die FAO und die äthiopische Regierung warnen bereits vor neuen Schwärmen, die noch mehr Land verwüsten könnten als bisher. Schon ein vergleichsweise kleiner Schwarm von der Größe eines Quadratkilometers könne laut der FAO in einem Tag Nahrungsmittel vernichten, die 35 000 Menschen in der gleichen Zeit sättigen würden.

Zwei Wüstenheuschrecken sitzen auf einem Ast. Sie zerstöhren unmengen an Nahrungsmitteln.
Foto: dpa/Sven Torfinn

Die Region leidet derzeit wie die ganze Welt zusätzlich unter dem neuartigen Coronavirus. Auf der einen Seite ist es schwierig Abstand zu halten, wenn man für knappe Lebensmittel ansteht, auf der anderen Seite erschwert der Kampf gegen Covid-19 den Kampf gegen die Heuschrecken: Bewegungseinschränkungen und die Bereitstellung von Schutzausrüstung stellen die Heuschreckenbekämpfer vor neue Herausforderungen. Das größte Problem sei derzeit die Lieferung von Pestiziden, da die globale Luftfracht stark reduziert worden sei.