Unternehmer, Kameramann und Regisseur Willy Bogner picture alliance/dpa/Georg Wendt

Als Skirennläufer tritt Willy Bogner mit knapp 18 Jahren erstmals bei den Olympischen Spielen an. Auf Skiern fährt er für einen James-Bond-Film später mit Kamera rückwärts. Die vom Vater gegründete Sportbekleidungsfirma baut er zum international agierenden Unternehmen aus und kleidet jahrelang die deutsche Olympiamannschaft für die Winterspiele ein. In dem Film „Feuer und Eis“ verbindet er in den 1980er-Jahren Akrobatik- und Tanzszenen auf Skiern mit Musik. Am Sonntag (23. Januar) wird der Sportler, Unternehmer und Filmemacher 80 Jahre alt.

Sportlich trat Bogner früh in die Fußstapfen seines skibegeisterten Vaters. Mit 17 gewann er als erster Deutscher das Lauberhorn-Rennen und holte später mehrere Titel im Slalom und in der Kombination. 1960 und 1964 trat er bei Olympischen Winterspielen an, holte aber – wie 1936 sein Vater – keine Medaille.

Bogner prägte die Mode weit über den Pistenrand hinaus

Olympia 2018 in München – das hätte für den Münchner den Kreis geschlossen. „Olympia 2018 nach München zu holen, ist die größte olympische Herausforderung, der ich mich je gestellt habe“, sagte er, als er 2009 das Amt als Chef der Bewerbungsgesellschaft übernahm. Doch München 2018 scheiterte. Und in dem Jahr stattete sein Unternehmen erstmals seit langem nicht mehr die deutschen Olympioniken aus.

Der damalige Skiläufer Willy Bogner 1966 beim Slalom der Herren.  picture alliance/dpa

„Das ist vielleicht sogar das Interessanteste am Sport überhaupt – dass du verlieren lernst“, sagt Bogner in den „Lebenslinien“ des Bayerischen Rundfunks anlässlich seines Geburtstags. Auch Schicksalsschläge prägten sein Leben. 1964 kam seine damalige Partnerin bei Dreharbeiten unter seiner Leitung in einer Lawine ums Leben. 2005 starb sein damals 17 Jahre alter Adoptivsohn. 2017 verlor er seine Frau Sônia, mit der er seit 1972 verheiratet war.

Viel Zeit verbrachte Bogner in St. Moritz, seiner „Winterheimat“, wie er einmal sagte. „Schneeweh“ nannte er in einem Interview mal das Gefühl, das ihn immer wieder packt. „Dieses geräuschlose Fallen der ersten Flocken, das ist das magische Winter-Feeling für mich. Seit meiner Kindheit.“

1977 hatte Willy Hermann Björn Bogner die Leitung des 1932 von seinem Vater gegründeten Sportunternehmens übernommen. Er machte das Label mit dem großen B im Kreis als Markenzeichen weltbekannt. Das Haus Bogner prägte die Mode weit über den Pistenrand hinaus – etwa mit der Keilhose, die in den 1950er-Jahren zum Modehit wurde. Regelmäßig kleidete Bogner die deutsche Mannschaft bei Olympischen Winterspielen ein, 2012 auch das Sommer-Team.

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Der Mode-Unternehmer Willy Bogner und seine Frau Sônia bei der Verleihung der Auszeichnung „Paar des Jahres“. dpa/Ulrich Perrey

2016 gab Bogner die operative Führung nach fast 40 Jahren ab. 2019 erfüllte sich für ihn ein Wunsch, als seine Adoptivtochter Florinda in den Aufsichtsrat einzog. Einige Monate später zog er sich fast vollständig zurück. „Im Alter von fast 78 Jahren habe ich erkannt, dass ich das Unternehmen auf dem Weg in die Zukunft nicht mehr so tatkräftig und intensiv begleiten kann, wie es erforderlich ist“, schrieb er damals. „Sportsgeist heißt auch, im Dienst des Teams und des gemeinsamen Ziels rechtzeitig Platz zu machen.“

Das Unternehmen geht solide durch die Pandemie

Das Unternehmen kommt nach dem Wechsel an der Spitze solide durch Pandemie. Das Geschäftsjahr 2020/21 schloss Bogner laut Mitteilung trotz der Krise mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 7,3 Millionen Euro – und damit deutlich über dem Vorjahr – ab (3,0 Millionen Euro). Der Umsatz habe wie erwartet mit 122,5 Millionen Euro niedriger gelegen (Vorjahr: 163 Millionen Euro), aber über Plan.

Schon während seiner aktiven Sportzeit hatte Bogner auch die Leidenschaft fürs Filmen entdeckt. Als Athlet bei Olympia 1960 drehte er nebenbei im olympischen Dorf. Die Eltern drängten ihn, sich um die Firma zu kümmern – Bogner fand einen Weg, das Geschäft mit seinen Leidenschaften zu verknüpfen. Lange galt er als einer der besten Ski-Kameraleute der Welt, unter anderem erhielt er 1985 den Bambi.

Willy Bogner zeigt sich mit zwei Models nach der Bogner-Präsentation. dpa/Ursula Düren

Im James-Bond-Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ eröffnete er dem Publikum 1969 neue spektakuläre Perspektiven, als er mit der Kamera auf hinten aufgebogenen Skiern rückwärts vor den Skifahrern herfuhr. Er drehte – unter anderem für „Feuer und Eis“ – actionreiche Szenen auf einer Bobbahn: Mit der Kamera raste er in Schussfahrt den Eiskanal hinunter. „Erst hast du die Idee, die wahnsinnig ist, dann schaltest du das Gehirn ein und fragst dich: Warum geht das eigentlich nicht? Dann findest du die Mitstreiter“, sagte er 2014 auf einer Gala beim Filmfest München über waghalsige Szenen auf Skiern.

Zuletzt trat er kaum noch öffentlich auf. Den Geburtstag, der in das 90. Jubiläumsjahr des Unternehmens fällt, werde er im privaten Kreis feiern, ließ er auf Anfrage mitteilen. „Ich bin froh und dankbar, meinen runden Geburtstag in dem Jahr zu feiern, in dem auch unser Familienunternehmen sein 90-jähriges Bestehen erlebt“, erklärte er. „Es ist ein gutes Gefühl, das eigene Lebenswerk so erfolgreich und mit einer vielversprechenden Zukunft zu sehen.“ Im BR drückte er es salopper aus: „Alles schon okay, würde ich sagen.“