Ein Mann erntet Kaffee auf einer Plantage in Brasilien. AFP/Mauro Pimentel

Die Klimakrise ist auf der ganzen Welt zu spüren – auch in Brasilien, wo der rechtsradikale Präsident Jair Bolsonaro ihn hartnäckig leugnet. Doch die Folgen sind unübersehbar. Die historische Dürre zu Beginn des Jahres in Verbindung mit dem plötzlich einsetzenden Frost in der vergangenen Woche, hat die Kaffeeproduzenten in Brasilien hart getroffen. Schon jetzt ist klar: Die Ernte wird schlecht ausfallen, die Preise werden steigen.

Preis für Arabica-Kaffee ist in die Höhe geschnellt

Seit Januar ist der Preis für Arabica-Kaffee um 60 Prozent in die Höhe geschnellt. Und auch der Preis für Robusta-Kaffee – der unter anderem für Instant-Granulat genutzt und hauptsächlich in Asien angebaut wird – erlebte im bisherigen Jahresverlauf einen Preisanstieg von fast 40 Prozent.

„Es gibt mehrere Gründe für den astronomischen Preisanstieg bei Kaffee“, sagt Rabobank-Analyst Carlos Mera. Hauptgrund seien die verheerenden Wetterbedingungen in Brasilien, aber auch steigende Transportkosten und politische Unruhen im drittgrößten Produktionsland Kolumbien würden ihren Teil beitragen.

Brasilien litt unter einer historischen Dürre

Brasilien litt zu Beginn dieses Jahres unter einer historischen Dürre. In der vergangenen Woche folgte Frost auf wichtigen Plantagen in Minas Gerais – einem südöstlichen Bundesstaat im Landesinneren, aus dem 70 Prozent der Arabica-Bohnen des Landes kommen. „Die Minusgrade haben zu Laubfall geführt und die jüngsten Pflanzen zerstört“, sagt Mera. Diese sind allerdings für künftige Ernten entscheidend.

Arabica ist auch deshalb so stark betroffen, weil die Pflanze einen zweijährigen Zyklus hat, bei dem auf eine ertragsarme Produktion im einen Jahr eine Rekordernte im nächsten Jahr folgt. Gleichzeitig hat die weltweite Kaffeenachfrage nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie, während der Café- und Restaurantbetrieb teilweise eingeschränkt war, wieder stark angezogen.

So sehr steigen die Kaffee-Preise an

Die Verbraucher merken von all dem zwar derzeit noch nichts, das kann sich aber ändern: Die steigenden Preise würden nur langsam an die Verbraucher weitergegeben, sagt Mera. „Die Röster nutzen den für den späteren Handel vorgesehenen Preis, um sich gegen kurzfristige Steigerungen abzusichern“, sagt der Experte. Daher dauere es normalerweise drei bis neun Monate, bis die Auswirkungen im Einzelhandel zu spüren seien. Am Freitag lag der für den späteren Handel vorgesehene Preis für Arabaica-Kaffee in Brasilien bei knapp 3,50 Euro pro Kilo – und damit so hoch wie seit 2014 nicht. Experten rechnen mit noch höheren Preisen.

Außerdem waren die Kosten für Kaffee in den vergangenen Jahren besonders niedrig, wie Rohstoffökonom Philippe Chalmin erklärt. Er erinnerte daran, dass ein Kilo Arabica im Mai 2011 über fünf Euro kostete.

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Gelitten hätten zuletzt nicht die Verbraucher, sondern die Produzenten, sagt Valeria Rodriguez von der Fair-Trade-Vereinigung Max Havelaar. Sie hätten eine sehr lange Preiskrise erlebt. „In den vergangenen vier oder fünf Jahren haben die meisten von ihnen mit Verlust gearbeitet“, sagt sie. Die neuen Ernteschäden verschlechterten die Situation noch zusätzlich.