Ein Hochhaus in der Hildebrandstraße in Dresden und seine Bewohner stehen nach einem Corona-Todesfall unter Quarantäne. dpa/Daniel Schäfer

Die Polizei kontrolliert die Eingänge, Mitarbeiter des Gesundheitsamtes im Schutzanzug, rot-weißes Absperrband um das Gebäude: In Dresden sind nach dem Tod eines an Covid-19 erkrankten Indien-Rückkehrers sämtliche Bewohner eines Hochhauses auf das Coronavirus getestet worden. Mehr als 100 Menschen wurden mittels eines PCR-Tests untersucht, sagte der Leiter des Dresdner Gesundheitsamtes, Frank Bauer. Das Studentenwohnheim im Stadtteil Strehlen nahe der Universität steht seit dem frühen Donnerstagabend unter Quarantäne. Bis zum 8. Juni dürfen die Bewohner das Hochhaus nicht verlassen.

„Es kommt nicht häufig vor, dass man ein komplettes Wohnhaus unter Quarantäne stellt“, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes, Frank Bauer, am Freitagnachmittag. Schnelles Handeln sei erforderlich gewesen, weil der Verdacht auf eine Infektion mit einer Variante des Coronavirus bestehe. Die Ergebnisse der Analyse stehen noch aus.

Lesen Sie auch: Am Montag endet die Priorisierung: SO kommen Sie an einen Impftermin! >>

Corona-Toter stammt aus Indien und lebte in einer Wohngemeinschaft

Hintergrund ist der Tod eines jungen Mannes nach einer Covid-19-Erkrankung. Laut Bauer stammte der Mann aus Indien und war Student in Dresden. In dem Wohnhaus nahe des Campus lebte er in einer Wohngemeinschaft mit fünf anderen, vermutlich hatte er auch Kontakt zu anderen Landsleuten im Haus. Das Alter nannte der Leiter des Gesundheitsamtes mit Verweis auf Datenschutz nicht.

Der junge Mann war bereits Ende April aus Indien zurückgekehrt und hatte sich vorsorglich bis zum 9. Mai in Quarantäne begeben, auch ein Schnelltest vor der Einreise war negativ. Am 25. Mai wurde er in ein Krankenhaus gebracht, sein Gesundheitszustand hatte sich trotz guten Allgemeinzustandes rapide verschlechtert. Er starb am 1. Juni.

Nun gelte es zu klären, ob es sich um einen verspäteten Ausbruch der Krankheit handele oder ob sich der Mann womöglich in Dresden angesteckt habe, so Amtsleiter Bauer.

dpa/Tino Plunert
Mitarbeiter des Gesundheitsamts bereiten Coronatests für die Bewohner eines Hochhauses vor. 

Das Gesundheitsamt hatte verpflichtende Corona-Tests angeordnet und Quarantäne verhängt, die Polizei kontrollierte die Ein- und Ausgänge. Helfer des Brand- und Katastrophenschutzamtes versorgten die Bewohner mit Lebensmitteln und Medikamenten. Zudem standen Dolmetscher zur Verfügung, um mögliche Fragen auf verschiedenen Sprachen beantworten zu können. Am späten Nachmittag sollten die Coronatests abgeschlossen sein, die Ergebnisse werden für das Wochenende erwartet. Das Gesundheitsamt geht davon aus, dass sich zwischen 150 und 200 Menschen in dem Hochhaus aufhalten.

Inzwischen sind sieben weitere Bewohner des unter Quarantäne stehenden Hochhauses in Dresden positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das hätten die analysierten Proben von den 170 Bewohnern ergeben, teilte die Stadt am späten Samstagabend mit. Bei drei positiv Getesteten besteht zudem der Verdacht auf eine Infektion mit der sogenannten Delta-Variante, die zuerst in Indien festgestellt wurde. Die Ergebnisse müssen noch durch eine sogenannte Sequenzierung bestätigt werden.

Lesen Sie auch: Berliner Virologe Drosten: Corona-Virus stammt wahrscheinlich aus Chinas Pelzindustrie >>

Wohnheim soll einem privaten Vermieter gehören

Nach Angaben des Dresdner Studentenwerkes gehört das betroffene Wohnheim einem privaten Vermieter. Dennoch sei man alarmiert und in Absprache mit der Technischen Universität (TU) Dresden. „Wir sind vorsichtig, weil unsere Wohnheime nicht weit entfernt sind.“

Das Hochhaus biete Studentenwohnungen in Campus-Nähe, heißt es auf der Homepage. Angeboten werden Unterkünfte in Wohngemeinschaften oder möblierten Wohnungen. Das für die Verwaltung zuständige Immobilienmanagement war am Morgen ebenfalls vor Ort. „Wir stehen im Austausch mit dem Gesundheitsamt“, sagte ein Sprecher. Alle Corona-Regeln seien den Bewohnern in den vergangenen Wochen kommuniziert worden, betonte er.