Es dauerte bis zum Mordprozess-Auftakt gegen Curtis Reeves acht Jahre, der im Kino einen Familienvater erschossen haben soll.
Es dauerte bis zum Mordprozess-Auftakt gegen Curtis Reeves acht Jahre, der im Kino einen Familienvater erschossen haben soll. Staatsanwaltschaft Pinellas-Pasco County

In Amerika scheinen die Mühlen der Justiz oft besonders langsam zu mahlen – insbesondere, wenn der angeklagte Killer ein Ex-Cop ist. Denn es dauerte bis zum Mordprozess-Auftakt gegen Curtis Reeves acht (!) Jahre. Dabei bestreitet der pensionierte Polizei-Captain der Kleinstadt Wesley Chapel nicht, dass er in einem Kino seinen unbewaffneten Vordermann im Streit um eine SMS erschossen hatte.

Was war passiert? Chad und Nicole Oulson hatten ihre kleine Tochter einem Babysitter überlassen, um sich im örtlichen „Grove Cobb 16“-Kino den Film „Lone Survivor“ anzuschauen. Laut Nicole Oulson bekam ihr Mann vor Beginn des Films bei einer Vorschau eine Textnachricht der Babysitterin, die er schnell beantwortete. Worauf er von Reeves, der hinter dem Paar saß, angemacht wurde, gefälligst das Handy wegzupacken.

Lesen Sie auch: Drohender Ukraine-Krieg: „Aufgaben erfüllt“ – Russland kündigt Teil-Rückzug an +++ Schaltet sich jetzt Altkanzlerin Merkel ein? >>

Ex-Cop tötete angeblich aus Notwehr

Die beiden Männer lieferten sich daraufhin ein bitteres Wortgefecht. Eine Überwachungskamera aus dem Kinosaal zeichnete auf, wie Chad Oulson seinem Rivalen dessen Tüte Popcorn vom Schoss riss und auf ihn warf. Worauf Reeves seinen Revolver zog, mit dem er in das Kino gekommen war, und aus kurzer Distanz kaltblütig abdrückte. Die Kugel ging durch die Hand von Oulsons Frau Nicole, die ihren Mann reflexartig schützen wollte. Dann traf sie Chad Oulson tödlich in die Brust.

Chad und Nicole Oulson mit ihrer Tochter. Der Vater wurde im Kino kaltblütig ermordet.
Chad und Nicole Oulson mit ihrer Tochter. Der Vater wurde im Kino kaltblütig ermordet. Staatsanwaltschaft Pinellas-Pasco County

Reeves setzte sich danach wieder seelenruhig auf seinen Kinosessel und wartete, bis seine Ex-Kollegen eintrafen. Beim ersten Verhör behauptete er, in Notwehr gehandelt zu haben. Denn nach dem „Stand Your Ground“-Gesetz in Florida reicht es für eine Notwehrverteidigung aus, dass der Schütze um sein Leben fürchtet – selbst wenn dieses faktisch nicht wirklich in Gefahr war.

Lesen Sie auch: Irres Wetter im Anmarsch! Orkan trifft Donnerstag auf Deutschland: Hier wird der Mega-Sturm besonders gefährlich >>

„Gerichtsposse einfach nur peinlich“

Reeves wurde im July 2014 vom Haftrichter gegen eine Kautionszahlung von nur 150.000 Dollar auf freien Fuß gesetzt. Der von der Staatsanwaltschaft geforderte Hausarrest wurde aufgeweicht. Denn der heute 79-Jährige darf zur Kirche gehen, zu Gerichts- und Anwaltsterminen, zum Einkaufen und zu ärztlichen Terminen. Seine Anwälte schafften es immer wieder, den Verhandlungsauftakt mit juristischen Manövern hinauszuzögern.

Lesen Sie aktuelle Berliner Kriminalfälle hier  im Polizeiticker >>

Als der Richter 2017 nach der Vorverhandlung entschied, dass das Selbstverteidigungsgesetz in Reeves Fall nicht infrage kommt, zogen dessen Anwälte sogar vor den Obersten Gerichtshof des Bundesstaates Florida. So wurde erst letzte Woche, mehr als acht Jahre nach der Tat, mit der Geschworenenauswahl für den Mordprozess begonnen.

Für TJ Grimaldi, Anwalt von Nicole Oulson, ist die bisherige „Gerichtsposse einfach nur peinlich“. Er empfindet es als Frechheit, dass „Curtis Reeves seit acht Jahren im Kreis seiner Familie ein normales Leben führt, während meine Mandantin ihren geliebten Mann und Vater ihres Kindes nie wieder in den Armen halten kann.“