Christiane Hottenbacher, Antiquarin im Kunstauktionshaus Ketterer in Hamburg, zeigt den Seeatlas „Speculum nauticum“ von 1586.  Angefertigt wurde der Atlas von dem niederländischen Kartografen und Navigator Lucas Janszoon Waghenaer (1534-1606).  Foto: Christian Charisius/dpa

Er ist fast 450 Jahre alt, gut erhalten und sehr selten: Ein wertvoller Seeatlas von 1586 kam am Montag in Hamburg unter den Hammer. Ein „Meilenstein der nautischen Kartografie“ – so beschreibt das Auktionshaus Ketterer Kunst das Werk des Holländers Lucas Janszoon Waghenaer. Der Schätzpreis lag nach Angaben des Auktionshauses bei 180.000 Euro. Gebracht hat der Atlas am Ende sehr viel mehr: Ein Bieter aus Großbritannien ersteigerte den Band für sage und schreibe 325.000 Euro! Zuvor befand sich das Exemplar mehr als zwanzig Jahre in einer niederländischen Privatsammlung.

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Bei „Speculum nauticum“ handelt es sich um die erste lateinische Ausgabe des zuvor als „Spieghel der Zeevaerdt“ (Spiegel der Seefahrt) erschienenen Buches. Was das Objekt so besonders macht: „Es ist der erste gedruckte Seeatlas überhaupt, und das in einer frühen Ausgabe“, sagte Antiquarin Christiane Hottenbacher vom Auktionshaus. „Außerdem ein sehr seltenes, koloriertes Exemplar.“ Zudem sei der Atlas vollständig und in einem guten Zustand. Besonders dekorativ seien die Goldakzente auf den Windrosen und Wappen und die Darstellungen von Segelschiffen und skurrilen Seeungeheuern.

 Auf der Doppelseite des Seeatlas' „Speculum nauticum“ von 1586 ist ein Teil der Nordseeküste mit der Elbmündung und der Insel Sylt zu sehen.  Foto: Christian Charisius/dpa

„In der heutigen Seefahrt bringen hochmoderne Navigationssysteme die Schiffe sicher ans Ziel – im 16. Jahrhundert waren es Seekarten und zuweilen auch Navigationshandbücher, auf die sich die Kapitäne bei ihren Seereisen in unbekannte Gewässer verlassen mussten“, heißt es in einem Video über das Werk in rotem Ledereinband. Es enthält eine Gesamtkarte von Europa und 44 Teilkarten, die nahezu lückenlos die Atlantik-, Nord- und Ostseeküsten Europas abbilden.

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Die meisten Städte sind in der Landessprache, in Holländisch oder Niederdeutsch (Hamborch, Eemden, Flenßborch, Wismer) verzeichnet. Auf einer Karte der nordfriesischen Küste sei auch die große Insel„ Strand“ zu sehen, aus der später nach schweren Sturmfluten die heutigen Inseln Nordstrand und Pellworm und die Hallig Nordstrandischmoor entstanden seien, berichtete Hottenbacher. Zudem sei eine Karte der ostfriesischen und westfriesischen Inseln („Wranger oog“, „Spijcker ooch“) ebenso zu sehen wie detailreiche Seekarten der Küste von Pommern, Holstein und Schleswig.

Der um 1533 geborene Waghenaer war den Angaben zufolge selbst schon 30 Jahre zur See gefahren, als er im Jahr 1577 begann, Seekarten herauszugeben. Auch nach seinem Tod um 1606 war sein „Speculum nauticum“ laut Experten für Jahrzehnte maßgebliches Vorbild für alle nachfolgenden Seeatlanten dieser Art.