Ein Pfleger untersucht einen Patienten auf der Covid-19-Intensivstation im SRH Waldklinikum im thüringischen Gera. In dem Bundesland ist die Impfquote extrem niedrig. dpa/Bodo Schackow

Immer wieder ist von Corona-Impfdurchbrüchen die Rede: fanatische Impfgegner stellen die Schutzwirkung von Vakzinen und Boostern infrage. Sie behaupten, nicht das Coronavirus mache krank, sondern Impfungen. Tatsächlich gelingt es der Omikron-Variante des Coronavirus, die Immunabwehr selbst von mehrfach Geimpften zu überlisten. So verbreitet sich das Virus schneller, als es je bei einer anderen Variante der Fall gewesen war, auch unter Geimpften.

Eine andere Frage ist allerdings, ob die Impfstoffe gegen eine schwere Erkrankung schützen – und umgekehrt, ob das Omikron-Virus auch für Ungeimpfte so harmlos ist, wie manche meinen. Nun liegen frische Daten vor, die Klarheit darüber schaffen, wer die Menschen sind, die an Covid schwer erkranken. Die kurze Antwort lautet: Ungeimpfte machen in Deutschland die Mehrheit aller Covid-19-Fälle auf Intensivstationen aus. Das bestätigen Daten aus dem Intensivregister, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin am Donnerstag mitteilten.

Mehr als ein Viertel der Intensivpatienten war bereits vollständig geimpft

In den vier Wochen zwischen dem 14. Dezember und dem 12. Januar waren demnach von 8912 Corona-Intensivpatienten, deren Impfstatus bekannt war, fast zwei Drittel ungeimpft. Das entsprach insgesamt 5521 Fällen oder 62 Prozent der Neuaufnahmen mit erfasstem Impfstatus. Von etwa jedem zehnten Patienten war der Impfstatus nicht bekannt.

Wie aus dem Intensivregister hervorgeht, wiesen in dem genannten Zeitraum rund 9,6 Prozent der Patienten – 856 Fälle – einen unvollständigen Immunschutz auf. Sie waren also genesen, aber ungeimpft oder hatten nur eine Teilimmunisierung. Mehr als ein Viertel der Intensivpatienten – 28,4 Prozent beziehungsweise 2535 Fälle – hatte eine vollständige Grundimmunisierung oder bereits eine Boosterimpfung.

Statistisches Risiko für Ungeimpfte extrem höher als für Geimpfte

Das Risiko für Ungeimpfte, schwer krank auf der Intensivstation zu landen, ist aber noch höher, als diese Zahlen zunächst vermuten lassen. Denn 72,3 Prozent aller Deutschen sind vollständig geimpft. Würde die Impfung nicht wirken, müsste der Anteil der vollständig geimpften Menschen auch so hoch liegen.

Obwohl nur jeder fünfte Deutsche, für den es eine Impfempfehlung gibt (also ab 5 Jahren), ungeimpft ist, stellt diese Minderheit eine deutliche Mehrheit aller coviderkrankten Intensivpatienten. Das statistische Risiko, aufgrund eines fehlenden Impfschutzes in der Intensivstation zu landen, diese mit schweren Folgeschäden oder tot zu verlassen, ist für Ungeimpfte also extrem hoch.

Im Intensivregister wird seit Mitte Dezember zusätzlich der Impfstatus erfasst. Alle Intensivstationen mit Akutversorgung melden dazu täglich den Impfstatus der zum Vortag neu aufgenommenen Covid-19-Patientinnen und -Patienten. Die Ergebnisse decken sich den Angaben zufolge mit bisher veröffentlichten Zahlen des RKI, das diese von den Gesundheitsämtern bekommt. Die Impfdaten aus dem Intensivregister werden ab der kommenden Woche regelmäßig im Wochenbericht des RKI veröffentlicht.