Richterin Alexis G. Krot kritisierte bei der Urteilsverkündung den Angeklagten scharf. ZVG

„Sie sollten sich was schämen!“ Richterin Alexis G. Krot kritisierte bei der Urteilsverkündung den Angeklagten scharf und bedauerte, diesen nicht ins Gefängnis schicken zu können. Für ihre Schimpftirade erntet die Juristin aus dem US-Bundesstaat Michigan einen amerikaweiten Shitstorm. Denn der Angeklagte ist ein krebskranker 72-Jähriger. Sein „Verbrechen“: Er hatte seinen Vorgarten verwildern lassen, weil er zu schwach für die Gartenarbeit ist.

Burhan Showdhury aus der Kleinstadt Hamtramck leidet seit 2019 unter Lymphknotenkrebs. ZVG

Burhan Showdhury aus der Kleinstadt Hamtramck leidet seit 2019 unter Lymphknotenkrebs. Als sein Sohn für drei Monate geschäftlich nach Bangladesch reisen musste, war sein Vater wegen den Folgen der Chemotherapie zu schwach, selbst den Rasen zu mähen, die Hecken zu stutzen und die Bäume zu beschneiden.

Weil er eine Strafe nicht zahlen wollte, landete der Mann vor Gericht

Teile der Zweige und Äste waren auf den Bürgersteig gewachsen, weshalb Showdhury vom Ordnungsamt im August einen Strafzettel über 100 Dollar bekam. In der Hoffnung, dass man ihm die Geldstrafe erlassen oder wenigstens vermindern würde, wenn er seine Lage schildert, legte der Einwanderer aus Bangladesch Einspruch gegen die Geldstrafe ein. Und landete – per Zoom – im Gerichtssaal des 31. Bezirks von Krot.

Der verwilderte Vorgarten des krebskranken Angeklagten. ZVG

Diese kannte kein Mitleid. Im Gegenteil. Selbst als Sohn Shibbir die Version seines Vaters bestätigte und schwor „Ich werde in Zukunft wieder regelmäßig die Gartenarbeit für Papa machen“, stieß das auf taube Ohren. Dem Angeklagten, der unter schwerer Atemnot litt und Mühe beim Sprechen hatte, fiel Krot immer wieder ins Wort: „Das interessiert mich nicht. Ich sehe nur das Foto ihres Gartens und der ist ein Schandfleck.“

Um dann noch einen draufzulegen und Showdhury anzufahren: „Wenn es mir erlaubt wäre, für diesen Verstoss eine Gefängnisstrafe gegen Sie zu verhängen, dann würde ich es tun.“

Shibbir Showdhury (33) ist noch immer fassungslos. In der Washington Post ließ er seinen Unmut freien Lauf: „Ich kann es nicht fassen, dass sie einem schwer kranken 72-Jährigen mit Knast droht – weil ein paar Äste auf den Bürgersteig ragen.“

Während gegen „Richterin Gnadenlos“ – einer der wenigen druckbaren Spitznamen – auf Social Media eine Amtsenthebungs-Kampagne läuft, freut sich die Showdhury-Familie über eine unglaubliche Welle der Unterstützung aus dem ganzen Land. Laut Sohn Shibbir trafen sogar Spenden ein, womit sein Vater sich einen Gärtner leisten kann, der den Wildwuchs beseitigen wird.