Nina Menegatto, die neue Prinzessin von Seborga posiert in ihrem winzigen Fürstentum. Foto: AFP/Marco Bertorello

Das Reich der Prinzessin liegt malerisch auf einem Berg hoch über der italienischen Riviera. Nina Menegatto führt stolz durch die Gassen von Seborga – einem Dorf, das sich selbst zum Kleinstaat erklärt hat. Im November wählten die rund 300 Einwohner die aus Kempten stammende 41-Jährige zur neuen Regentin. Am 20. August soll die Allgäuerin gekrönt werden.

Dokumente aus dem 18. Jahrhundert belegten, dass Seborga nie rechtmäßig der italienischen Staatsmacht unterstellt worden sei, behaupten die Verfechter des Mini-Staates. Historiker bestreiten das, die italienische Regierung lässt die Dörfler in Ligurien aber gewähren – obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg den Antrag Seborgas abwies.

Der Blick auf das Dörfchen Seborga, das sich für ein Fürstentum hält. Foto: AFP/Marco Bertorello

„Alle kleinen Mädchen träumen davon, Prinzessin zu sein. Es ist wie im Märchen“, sagt Menegatto. Sie ist die erste Frau an der Spitze des Mini-Staates. 14 Jahre lang hielt ihr Ex-Mann das Zepter in der Hand. Mit ihrem Baby im Tragetuch besucht Menegatto ihre Untertanen. Wenn sie nicht mit ihren Pflichten als Prinzessin beschäftigt ist, leitet sie eine Immobilienfirma im nahegelegenen Monaco.

Bis zur Krönung ist die Krone von Seborga noch im Touristenbüro des Dorfes ausgestellt. Menegatto setzt sie sich kichernd schon einmal probehalber auf den Kopf. „Ich hätte nie gedacht, jemals Prinzessin zu werden. Aber ich bekam viel Unterstützung aus der Bevölkerung, und das weiß ich sehr zu schätzen“, sagt sie.

Die Menschen in Seborga hoffen, als winziges Königreich Touristen und neue Bewohner anzulocken und so dem Schicksal vieler entvölkerter Dörfer in Italien zu entgehen.

Menegatto und ihre Minister wollen die lokale Währung, den Luigino, wieder einführen und ein Luxushotel auf einem Gipfel in der Nähe des Dorfes bauen. Von dort habe man einen Ausblick in vier Länder, sagt Menegatto: Frankreich, Monaco, Italien und das Fürstentum Seborga.

Auch einen Reisepass und eine Währung – den Luigino – hat Seborga. Foto: AFP/Marco Bertorello

Die Idee, Seborga zum unabhängigen Fürstentum zu erklären, geht auf den Blumenzüchter Giorgio Carbone zurück. Anfang der 1960er Jahre arbeitete Prinz Giorgio eine Verfassung aus, ließ eigenes Geld und Briefmarken drucken, führte neue Autokennzeichen ein und prägte das Motto „Sub umbra sede“ – „Sitze im Schatten“.

Auch eine eigene Garde hat Seborga. Sie besteht derzeit allerdings nur aus Secondo Messali, einem 64-Jährigen, der auch schon als Innen-, Finanz- und Premierminister diente.

Die Ein-Mann-Garde von Seborga: Secondo Messali Foto: AFP/Marco Bertorello

Er fühle sich sowohl als Italiener als auch als Bürger des Fürstentums, sagt Messali in seiner Uniform. Wie alle anderen Einwohner zahlt er Steuern an Rom und nimmt an den Wahlen teil. Als Chef der Nationalgarde des Fürstentums verwahrt er den Schlüssel zum Gefängnis des Dorfes –doch in dem saß seit Jahrhunderten niemand mehr.