Rauch und Feuer sorgen für eine gespenstische Stimmung auf La Palma.   AP/Kike Rincon/Europa Press

Es ist eine Tragödie. Immer größere Teil des Urlaubsparadieses La Palma werden von der 1000 Grad heißen Lava verschluckt. 

Die Glut-Lawine begräbt auf ihrem Weg zum Meer ein Haus nach dem anderen. Die betroffenen Bewohner versuchen weiter verzweifelt, das Wichtigste aus ihrem Hausrat zu retten, wie der staatliche TV-Sender RTVE berichtet. In dem Ort Todoque wurden Erinnerungsstücke, Kleidung, Möbel, Fahrräder, Matratzen und vieles andere, was nicht niet- und nagelfest war, auf Lastwagen verladen.

Weinende Menschen auf der Flucht

Darauf saßen weinende Menschen, die ihre Häuser für immer verlassen mussten. „Das wichtigste sind Dokumente zum Eigentum, denn danach werden sie uns später fragen, wenn hier nichts mehr ist“, sagte ein Anwohner. Verletzte gab es weiter nicht.

Sorge bereitet den Behörden aber auch eine Schwefelwolke, die sich gebildet hat und jetzt genau in Richtung Deutschland zieht. 

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Der Vulkan in der Cumbre Vieja im Süden der Kanareninsel, der am Sonntag erstmals seit 50 Jahren wieder ausgebrochen war, gewährte den Menschen aber zumindest eine kleine Schonfrist, denn die Lavaströme schoben sich immer langsamer voran. Wälzte sich die mehrere Meter hohe Lavamasse anfangs noch mit 700 Metern pro Stunde bergab Richtung Meer, waren es zuletzt nur noch vier  Meter.

Mindestens 350 Häuser wurden durch das flüssige Gestein bereits erst in Brand gesetzt und dann unter den Lavamassen begraben. Auch Bananenplantagen, Straßen und Stromleitungen wurden zerstört. Viele weitere Häuser wurden schwer beschädigt.

La Palma: Polizisten bringen Menschen in Sicherheit. AP Photo/Emilio Morenatti

Mehr als 400 Millionen Euro Schaden

Die Schäden bezifferte Regionalregierungschef Ángel Víctor Torres einschließlich zerstörter Pflanzungen und Infrastruktur mit „sicher mehr als 400 Millionen Euro“.

Ob und – wenn ja – wann die Lava die Küste erreichen würde, war weiter unklar. Die Behörden rechnen für diesen Fall mit giftigen Dämpfen, die beim Kontakt der Lava mit dem salzigen Meerwasser entstehen. Ein Wind aus Nordost trieb Rauch und Asche jedoch auf den Atlantik hinaus, wo aber die kleinere, 75 Kilometer entfernte Insel El Hierro mit rund 11 000 Einwohnern liegt.

La Palma liegt ganz im Nordwesten der Kanaren, einer Inselgruppe vulkanischen Ursprungs im Atlantik vor der Westküste Afrikas. Sie ist 85 Kilometer von der nächstgelegenen größeren und auch bei deutschen Touristen sehr beliebten Insel Teneriffa und 57 Kilometer von La Gomera entfernt. Massentourismus wie auf den bekannteren Kanareninseln Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote gibt es auf La Palma nicht.

La Palma: Die Lava-Lawine begräbt, was ihr in den Weg kommt.  imago/Agencia EFE

Königspaar besucht La Palma

Spaniens König Felipe VI. und Königin Letizia sind am Donnerstag auf die Vulkaninsel La Palma geflogen. Das Königspaar besuchte zunächst einige der mehr als 6000 Evakuierten und sprach ihnen Mut zu, wie der staatliche TV-Sender RTVE berichtete. Viele von ihnen haben ihr gesamtes Hab und Gut durch den Vulkanausbruch auf der Insel, die zu den Kanareninseln im Atlantik vor der Westküste Afrikas gehört, verloren.

Nach dem Vulkan-Ausbruch: Das Königspaar Felipe und Letizia besuchte Menschen, die ihre Häuser verloren haben.  AFP/FRANCISCO GOMEZ

Felipe und Letizia wurden von Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez begleitet. Später trafen sie Vertreter der Inselregierung und wollten sich bei einem Besuch der Einsatzleitstelle in der Nähe des Vulkans mit eigenen Augen einen Eindruck von den Zerstörungen und den Hilfsarbeiten machen.