Die Waldbrände in Russland wirken sich negativ auf die Permafrostböden aus. dpa/Vasily Kuper

Angesichts der verheerenden Waldbrände in Russland rechnen Experten mit langfristigen Folgen für den Permafrostboden. „Im ersten Jahr gibt es keine großen Veränderungen. Zu erwarten sind sie in der Regel in zwei bis fünf Jahren“, sagte der Wissenschaftler Alexander Fjodorow vom Institut für Permafrost in der sibirischen Großstadt Jakutsk. Vieles hänge nun vom Wachstum neuer, anpassungsfähiger Pflanzen und des Unterholzes ab. Wald schützt den gefrorenen Boden vor dem Auftauen.

Im russischen Jakutien brennen 4,4 Millionen Hektar

Von den Waldbränden in Russland am schlimmsten betroffen ist die Teilrepublik Jakutien im Osten Sibiriens. Dort brennt es aktuell nach Angaben der Forstschutzbehörde auf einer Fläche von insgesamt etwa 4,4 Millionen Hektar. Das entspricht etwa der Fläche Niedersachsens. Fast 4200 Einsatzkräfte kämpfen den Angaben nach gegen die Flammen.

„Wir sind besorgt über das Ausmaß der Brände“, sagte der Permafrost-Experte. Wenn die Feuer in eine Periode starker Klimaerwärmung fielen, dann verstärke das die Sorge um den Zustand des bisher noch in weite Tiefen gefrorenen Bodens. Eine Folge von Tauprozessen ist Fjodorow zufolge das Absacken von Böden. Dadurch können zum Beispiel Straßen und Häuser beschädigt werden.

Eine pauschale Angabe zu den Folgen lasse sich aber nicht machen, weil Faktoren wie der Grad der Vereisung und der Gehalt an organischem Material Einfluss darauf haben. „Wir beobachten die Auswirkungen der Waldbrände auf den Zustand des Permafrostbodens weiter“, sagte der Vize-Direktor des Permafrost-Instituts.

In Russland sind rund zwei Drittel der Bodenfläche dauerhaft gefroren

In Russland sind derzeit noch fast zwei Drittel der Bodenfläche dauerhaft gefroren. Dieses Phänomen wird Permafrost genannt. Mit steigenden Temperaturen im Zuge des Klimawandels taut der Boden langsam auf. Forscher sorgen sich, dass in der Folge gigantische Mengen klimaschädlichen Methans in die Atmosphäre gelangen könnten.

Eine Landaufnahme der russischen Tundra, die das typische Muster der Permafrost-Gebiete zeigt. dpa/Torsten Sachs

Und nicht nur das! Auch Straßen und Wohnhäuser sind bedroht. „Wenn der Permafrostboden auftaut, besteht die Gefahr, dass sie einstürzen - gegenwärtig ein gefährlicher Trend“, sagt der Ingenieur Ali Kerimow, der das Leben auf Permafrost nun sicherer machen will. In der Stadt stehen viele Gebäude auf Pfählen, die verhindern sollen, dass Temperaturschwankungen die Gebäude zum Einsturz bringen. Doch an immer mehr Häusern zeigen sich Risse. Der Boden senkt sich durch die höheren Temperaturen immer weiter ab. 

57 Milliarden Euro für Schäden durch getauten Permafrost

Das russische Umweltministerium schätzt, dass sich bis 2050 die Schäden im Zusammenhang mit dem Auftauen gefrorener Böden auf bis umgerechnet 57 Milliarden Euro belaufen könnten. Geld, das an anderer Stelle fehlen könnte, etwa für Sozialausgaben.

Ein Beispiel aus dem Frühjahr 2020 zeigt, dass Umweltverschmutzungen drohen. Nahe Norilsk waren mehr als 21.000 Liter Diesel aus einem beschädigten Tank ausgelaufen, weil Stützen im auftauenden Boden versunken waren. Umweltschützer sprachen danach von einer Katastrophe für die Natur.

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Um das zu verhindern, fordert Ingenieur Kerimow regelmäßige Überwachungen von gefrorenen Böden, um rechtzeitig vorauszusagen, wann die Böden nachgeben. Schon jetzt werden mitunter Fundamente und Böden künstlich gekühlt, damit Häuser auf schmelzendem Permafrost nicht zusammenbrechen. Mit dem fortschreitenden Klimawandel wird das nun schneller passieren.