Wer im Rahmen seiner Möglichkeiten hilft, hat keine juristischen Konsequenzen zu befürchten – weder wegen möglicher Körperverletzung noch wegen eventueller Sachbeschädigung. Foto: imago images/Cavan Images

Angst, Ekel, Überforderung – die Gründe, warum Menschen keine Erste Hilfe leisten, sind vielfältig. Aber wenn es um Leben und Tod geht, ist jede Ausrede fehl am Platz. Deshalb räumt der KURIER auf mit ihnen und findet Gegenargumente für die fünf gängigsten Erste-Hilfe-Ausreden.

1. „Da stehen zig Leute – da ist sicher jemand, der es besser kann!“

Das ist in der Regel ein Irrglaube. Das Problem: Je mehr Menschen an der Unfallstelle Zeugen werden, desto geringer ist die Bereitschaft jedes Einzelnen, Hilfe zu leisten. Weil jeder denkt, der andere macht das schon. Und am Ende hilft niemand. Also: Ist ein Mensch bewusstlos oder atmet sogar nicht mehr, ergreifen Sie die Initiative. Und fordern Sie von den Umstehende aktiv Hilfe ein. Etwa so: „Sie mit dem Handy, wählen Sie die 112. Sie im roten Pulli – stellen Sie das Warndreieck auf. Sie mit der Mütze – Sie lösen mich bei der Wiederbelebung ab, wenn ich nicht mehr kann.“

2. „Ich habe Angst, mehr zu schaden als zu helfen!“

Das schlimmste ist, gar nichts zu tun! Zumindest den Notruf wählen, kann wirklich jeder. Und ansonsten gilt: Wer Angst davor hat, bei der Herzdruckmassage die Rippen zu letzten, sollte sich ganz schnell bewusst machen, dass eine gebrochene Rippe gegenüber dem sicheren Tod bei unterlassener Hilfeleistung ganz sicher das kleinere Übel ist. Fakt ist: Wer im Rahmen seiner Möglichkeiten hilft, hat keine juristischen Konsequenzen zu befürchten – weder wegen möglicher Körperverletzung noch wegen eventueller Sachbeschädigung.

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3. „Ich möchte mich nicht mit Krankheiten anstecken!“

Die Infektionsgefahr bei der Ersten Hilfe ist sehr gering. Im Kfz-Verbandkasten befindet sich immer ein Paar Einmal-Handschuhe. Nutzen Sie diese. Verzichten Sie lieber auf die Mund-zu-Mund-Beatmung, führen nur die Herzdruckmassage aus, als gar nichts zu tun. „In den ersten Minuten nach einem Herzstillstand ist nicht die Beatmung entscheidend, denn die Sauerstoffvorräte im Körper reichen noch für 7 bis 8 Minuten. Entscheidend ist, den Blutfluss durch Herzdruckmassage wieder in Gang zu bringen, damit der Sauerstoff ins Gehirn gelangt“, erklärt Prof. Dr. Dietrich Andresen, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung.

4. „Ich bin vor Aufregung vollkommen blockiert!“

Herzrasen, feuchte Hände, einen Kloß im Hals – alles völlig normale Reaktionen des menschlichen Körpers in einer Extremsituation, wie sie es nun einmal ist, wenn ein Mensch mit dem Leben kämpft. Die gute Nachricht ist: Das alles versetzt uns in Alarmbereitschaft und löst einen Energieschub aus. Den unbedingt nutzen und nach bestem Wissen und Gewissen helfen. Die Erinnerung an das „Wie“ kommt beim „Tun“ wieder. Wer einen Notruf absetzt, wird von den Helfern auch angeleitet, was er am besten machen kann.

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5. „Ich beherrsche die Wiederbelebung nicht mehr!“

Diese Ausrede ist traurige Wahrheit. 52 Prozent der Deutschen sind sich unsicher, ob sie in einer Notfallsituation Erste Hilfe leisten könnte. Nur jeder Dritter weiß sicher, was zu tun ist. Erschreckende Zahlen und ein Appell an jeden, sich vielleicht doch die wenigen Stunden Zeit zu nehmen, um einen Auffrischungskurs zu belegen.